Die Grünen im Bundestag kritisieren die deutschen Notfallpläne für den Fall eines Atomunfalls als vollkommen unzureichend. Auch vier Jahre nach dem Reaktorunglück von Fukushima sei der Katastrophenschutz noch nicht an die Erkenntnisse aus dem GAU in Japan angepasst, sagte die atompolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion, Sylvia Kotting-Uhl, der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Regierung hätte notwendige Anpassungen jahrelang hinausgezögert.

Nach der Reaktorkatastrophe im März 2011 hatten Experten des Bundesamtes für Strahlenschutz Lücken in den deutschen Notfallplänen festgestellt und entsprechende Empfehlungen für eine Verbesserung des Katastrophenschutzes gegeben. Zu den Empfehlungen gehört etwa eine deutliche Ausweitung der Evakuierungszonen rund um Kernkraftwerke.

Kotting-Uhl forderte die Bundesregierung auf, den zuständigen Bundesländern eine Frist zu setzen, bis wann die Vorgaben der Strahlenschutzkommission umgesetzt werden müssen. "Obwohl die Anforderungen vorliegen, gibt es keinen Zeitplan, wie das Ganze umgesetzt werden soll", sagte sie. Der Bund müsse seine Kompetenz als oberste Atomaufsichtsbehörde nutzen, und die Länder unter Druck setzen.

Zudem müsse jeder Haushalt in Deutschland mit Jodtabletten ausgestattet werden. Diese sollen die Aufnahme radioaktiven Jods über die Schilddrüse verhindern. Bislang bekommen nur unmittelbare Anwohner von Kernkraftwerken die Tabletten, im Notfall werden sie auch an andere Bürger verteilt. Das sei kein schlüssiges Konzept, so Kotting-Uhl. In Frankreich etwa erhält jeder Haushalt Jodtabletten.