Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) will dafür sorgen, dass künftig mehr Bürger mit Migrationshintergrund im Auswärtigen Amt arbeiten, Karriere machen und Deutschland im Ausland vertreten. Steinmeier warb dafür, dass sich Deutsche mit ausländischen Wurzeln um einen Posten im Außenministerium bewerben. Bislang ist ihr Anteil sehr gering. 

"Die Welt um uns hat sich verändert. Und auch unser Land ist im Wandel", sagte Steinmeier. "Wir müssen deshalb das Potenzial der Deutschen mit ausländischen Wurzeln besser ausschöpfen. Dazu gehört auch, dass wir die Diversität der deutschen Gesellschaft im Auswärtigen Dienst besser abbilden."

Am Dienstag ist in der Zentrale des Auswärtigen Amts in Berlin erstmals eine Konferenz geplant, mit der eigens um Bewerber mit ausländischen Wurzeln geworben wird. Und zwar mit dem erklärten Ziel, dass sie später auch Spitzenposten bekommen. Das Auswärtige Amt stellt jedes Jahr über ein strenges Auswahlverfahren bis zu 45 Bewerber in den Vorbereitungsdienst für den Auswärtigen Dienst ein. 

"Für uns ist das keine Frage von Rücksicht oder gar ein gönnerhaftes Angebot an eine vermeintlich schwächere Gruppe", heißt es aus Steinmeiers Umfeld. "Migranten bringen oft Sprach- und Regionalkenntnisse mit, die für das Auswärtige Amt eine Bereicherung sind. Sensibilität im Umgang mit anderen Kulturen gehört für uns zum Handwerkszeug."  

Steinmeier setzte bereits ein Zeichen

Schon der grüne Minister Joschka Fischer (1998-2005) forderte mehr Diversität in seinem Ministerium. Passiert ist damals offenbar nicht viel. Steinmeier setzte zu Beginn seiner zweiten Amtszeit ein deutliches Zeichen, indem er die Deutsch-Palästinenserin Sawsan Chebli zu seiner stellvertretenden Sprecherin machte. Nicht nur, dass die 35-Jährige von außerhalb kam, was im Auswärtigen Amt selten passiert. Sie ist zudem Muslimin. Auch das ist am Werderschen Markt immer noch die große Ausnahme.

Insgesamt sind in der Zentrale des Auswärtigen Amts und in den etwa 230 Auslandsvertretungen mehr als 11.000 Menschen beschäftigt. Darunter sind Angehörige von 150 Nationalitäten. Das liegt aber vor allem an den vielen Ortskräften in den Botschaften. Sie gehören nicht zum Stammpersonal des Auswärtigen Amtes und haben auch keine großen Karrierechancen.        

Zuverlässige Zahlen über den genauen Anteil von Diplomaten mit Migrationshintergrund gibt es bislang nicht. Die Bundesregierung bereitet derzeit eine Umfrage darüber vor. Ergebnisse werden im Herbst erwartet.