Sudetendeutsche bei einem Jahrestreffen in Augsburg (Archivbild) © Andreas Gebert/dpa

Die Sudetendeutsche Landsmannschaft hat eine politische Neuausrichtung beschlossen. Bei einer Bundesversammlung in München verabschiedeten die Delegierten eine neue Grundsatzerklärung (pdf) und mehrere zentrale Satzungsänderungen (pdf). Dabei wurden Paragrafen gestrichen, in denen bisher vom Ziel einer "Wiedergewinnung der Heimat" und einer "Restitution oder gleichwertigen Entschädigung" die Rede war. Der Anspruch auf Rückgabe des nach dem Zweiten Weltkrieg beschlagnahmten Eigentums gehört demnach nicht länger zu den Verbandszwecken.

Stattdessen fordern die Sudeten nun die weltweite Durchsetzung der Grund- und Menschenrechte und des Selbstbestimmungsrechts von Völkern und Volksgruppen. Auch Grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Partnerschaft mit den Tschechen wurde zum zentralen Ziel der sudetendeutschen Arbeit erklärt.

Die Verbrechen an den Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg und die ihrer Vertreibung zugrundeliegenden Beschlüsse der damaligen tschechoslowakischen Regierung werden als Unrecht benannt, das geheilt werden müsse. Zugleich bekennt sich die Landsmannschaft zur Mitverantwortung "für die Verfolgung und Ermordung von Sudetendeutschen und Tschechen, die dem nationalsozialistischen Regime missliebig waren, sowie für den Holocaust an den Juden in Böhmen, Mähren und Sudetenschlesien".

Für den tschechischen Außenminister Lubomír Zaorálek ist damit eine Voraussetzung für eine Verbesserung der Beziehungen geschaffen worden. Landsmannschaftssprecher Bernd Posselt sagte, die Delegierten seien mit dem Beschluss dem von ihm schon vor Jahren eingeschlagenen Reformkurs gefolgt. Die Beschlüsse machten die Landsmannschaft "zukunftsfest" und stärkten ihre "Rolle als Bindeglied im deutsch-tschechischen Dialog", sagte der CSU-Politiker.

Der Verband sieht sich als Interessenvertretung aller Sudetendeutschen. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren rund drei Millionen Deutsche in der damaligen Tschechoslowakei enteignet und von dort vertrieben worden.