1. Woher kommt der Spitzname "Röschen"?

Harald und Lorenz, die beiden älteren Brüder der Verteidigungsministerin, wünschten sich eine kleine Schwester, als ihre Mutter schwanger war. Die kleinen Jungen sagten, sie wollten gern "eine Rosa" in der Familie haben. So entstand der Name Röschen, den heute noch einige Politiker benutzen, die von der Leyen aus ihren ersten Jahren in der Politik kennen. Einer von ihnen ist David McAllister, der frühere niedersächsische Ministerpräsident.

2. Kann sie Kanzlerin werden, obwohl sie in der eigenen Partei so wenig Rückhalt hat?

Ursula von der Leyen beantwortet die K-Frage immer mit der Behauptung, pro Generation werde in einer Partei grundsätzlich nur einer Kanzler. Das ist ihr Standardsatz, mit dem sie seit Jahren alle Fragen nach weiteren Ambitionen pariert. Wenn Merkel eines Tages abtrete, werde die Union vermutlich lange Zeit in der Opposition verweilen. Danach sei dann die nächste Generation gefragt.

Das stimmt so nicht: Die sozialdemokratischen Kanzler Willy Brandt und Helmut Schmidt trennte ein Altersunterschied von gerade einmal fünf Jahren. Bei den Christdemokraten Ludwig Erhard und Kurt Georg Kiesinger waren es sieben Jahre, auch diese Kanzler gehörten also zur gleichen Generation. Ursula von der Leyen ist vier Jahre jünger als Angela Merkel.

Die CDU wird in der Zeit nach Merkel die Entscheidung für einen Kanzlerkandidaten danach entscheiden, wer die größten Chancen bei den Wählern hat. Darüber sagen Wahlergebnisse auf CDU-Parteitagen ziemlich wenig. So wurde Thomas Strobl von der baden-württembergischen CDU nicht zum Spitzenkandidat für die nächste Landtagswahl bestimmt, auf dem Bundesparteitag bekam er aber ein besseres Ergebnis als Parteivize als die viel bekanntere und einflussreichere von der Leyen.

3. Von der Leyen hat viele politische Niederlagen erlitten, sie wurde zum Beispiel nicht Bundespräsidentin und hat ihre Forderung nach einer gesetzlichen Frauenquote in der letzten Legislaturperiode nicht durchsetzen können. Warum schadet ihr das nicht mehr?

Ursula von der Leyen macht gern Politik wie ein Kind, das sich auf dem Schulhof grundsätzlich immer mit dem stärksten Mitschüler anlegt. Das wirkt auf den ersten Blick unvernünftig, das Scheitern scheint vorprogrammiert. Doch manchmal kann so ein Verhalten auch sehr clever sein. Bei einer Niederlage heißt es dann nämlich: Kein Wunder, das war ja nicht zu schaffen. Und bei einem Sieg gibt es umso mehr Beifall. Und in jedem Fall hat der Kämpfer gezeigt, in welcher Liga er spielt: ganz vorn, bei den Besten. Wenn über die Besetzung des Bundespräsidialamtes spekuliert wird, adelt es die meisten Politiker schon, überhaupt in die engere Auswahl zu kommen. So war es auch bei von der Leyen – der Nutzen war am Ende größer als der Schaden. Schwierig wird es nur, wenn sich solche Prozesse zu oft wiederholen und ein Politiker in den Ruf gerät, ein ewiger Kandidat zu sein, der nie gewinnt.