Der Bundesrechnungshof hat neue Hinweise auf Materialmängel an dem Sturmgewehr G36 der Bundeswehr erhalten. Das berichtet das Magazin Stern unter Berufung auf einen geheimen Bericht des Rechnungshofs vom Juni 2014.

Laut diesem Prüfbericht fand das Wehrwissenschaftliche Institut der Bundeswehr Hinweise auf einen Konstruktionsmangel im Kunststoffgehäuse. Das Gewehr enthalte demnach den minderwertigen Zusatzstoff Polyethylen. Dieser könne zur Verformung der heißen Waffe führen, heißt es. Polyethylen ist billiger als der Werkstoff Polyamid, aus dem das Gewehr ansonsten besteht. Dadurch sei vor allem die Präzisionsfähigkeit eingeschränkt. Bei Einsatzgebieten in sehr heißen Regionen könne das lebensgefährlich für die Soldaten sein. 

Das von der Herstellerfirma Heckler & Koch gelieferte Vorzeigemodell, der sogenannte Abnahmedemonstrator aus dem Jahr 1993, mit dem die Bundeswehr von der Alltagstauglichkeit der Waffe überzeugt wurde, enthielt dagegen noch kein Polyethylen.

Laut Stern soll die Spitze des Bundesverteidigungsministeriums spätestens seit Januar 2011 über die möglichen Herstellungsfehler des Sturmgewehrs G36 informiert gewesen sein. In einer anonymen Anzeige wurde laut Rechnungshof auch behauptet, die Mängel der Waffe seien von Anfang an bekannt gewesen, Tests seien jedoch manipuliert worden.

Das Verteidigungsministerium und die Herstellerfirma wollten sich nicht zu den Vorwürfen äußern und verwiesen auf gegenwärtig noch laufende Untersuchungen.