Erst vor wenigen Tagen hatte Ursula von der Leyen (CDU) im Verteidigungsausschuss des Bundestags angekündigt, das umstrittene Sturmgewehr G36 bei der Bundeswehr auszumustern. "Dieses Gewehr, so wie es konstruiert ist, hat keine Zukunft in der Bundeswehr", sagte die Verteidigungsministerin. Doch offenbar erwägt die Armee, das Sturmgewehr zu modernisieren und weiter zu nutzen.

Laut einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung sind Änderungen an 170.000 Bundeswehr-Exemplaren des G36 im Gespräch. So sollen etwa 6.000 bis 7.000 Gewehre unter anderem mit einem stärkeren Rohr versehen werden. So würden die Waffen unempfindlicher gegen Hitze. Eine Zwischenlösung könnte sein, alternativ einige Tausend Sturmgewehre bei einem anderen Hersteller zu kaufen.

Auf der Suche nach einer Alternative zu dem Sturmgewehr habe man diverse G36-Waffen und Vergleichswaffen anderer Firmen getestet. Offenbar erfolglos, sodass es nun laut Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zwischen dem süddeutschen Waffenhersteller Heckler & Koch und dem Ministerium wieder Gespräche geben soll.

Laut internen Unterlagen, die der Zeitung vorliegen, gab es bereits im Januar 2011 erste Beschwerden über die Hitzebeständigkeit des Gewehres. Der Kritik folgten stets dementierende Gutachten. So wurde das G36 2014 als "technisch zuverlässig" bewertet. Soldaten sollen sich nie über Mängel des Gewehres beschwert haben. Dahingegen soll es bei anderen Waffen und Ausrüstungen Probleme gegeben haben, die Soldaten gemeldet hätten. So seien etwa Fahrzeuge nicht genügend gegen Minen gesichert gewesen, und Schuhsohlen sollen sich von Militärstiefeln gelöst haben.

Das G36-Sturmgewehr gehört zur Standardausrüstung der Bundeswehr. Ein aktuelles Gutachten im Auftrag des Verteidigungsministeriums kam zu dem Ergebnis, dass die Trefferquote des überwiegend aus Kunststoff bestehenden Gewehrs rapide sinkt, wenn es draußen heiß ist oder die Waffe heiß geschossen wird – und zwar teils auf nur noch sieben Prozent. Gefordert werden aber 90 Prozent Trefferquote.