Ex-Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel (Archiv) © Sean Gallup/Getty Images

Die ehemalige Pegida-Sprecherin Kathrin Oertel hat in einem auf Facebook geteilten Video versucht, sich neu zu positionieren. Sie entschuldige sich bei "allen Migranten und vor allem bei den Muslimen, die hier in unserem Land friedlich leben, integriert, und unsere Gesetze und unsere Kultur achten". Dies tun "die meisten von ihnen". Sie fühle sich "ein Stück weit mitverantwortlich für die ganze Hetzkampagne, die hier losgetreten worden ist".

In dem mehr als zehn Minuten langen Video sind aber auch andere Ansätze zu hören. Oertel redet über einen gemeinsamen, unteilbaren Volkswillen.  Das Volk müsse "wieder zueinander finden" und "Grabenkämpfe aufhören". "Wir dürfen uns als Volk nicht mehr spalten lassen", sagt Oertel. Der Gedanke, dass der Großteil der Bevölkerung – Oertel spricht von 99 Prozent – von einer kleinen Elite fremdgesteuert und beherrscht werde, findet sich auch bei Pegida und dem rechten Flügel der AfD wieder.

Immer wieder spricht Oertel vage von den "wirklichen Ursachen", die nie angesprochen werden würden. Welche Ursachen sie meint, sagt sie nicht. Explizit verweist sie stattdessen auf Frank Geppert, der in dem Bündnis Endgame ("Engagierte Demokraten gegen die Amerikanisierung Europas") aktiv ist. Auf der Seite der Organisation wird eine Veranstaltung beworben, auf die auch Oertel in ihrem Video hinweist. Am 1. Mai will sie unter dem Namen "193 Friedenstauben" auf dem Dresdner Neumarkt demonstrieren, um "neue Wege zu beschreiten".

Wie diese aussehen könnten, ist auf der Facebook-Seite der Veranstaltung zu lesen. "Frieden, Demokratie und ehrliche Medien sind eine untrennbare Einheit", schreiben die Verantwortlichen. Eine Medienreform sei nötig. Diese Politik-, Medien und Elitenfeindlichkeit ist auch in Oertels Rede gegenwärtig. Menschen seien verblendet und müssten aufgeklärt werden, eine Forderung, die auch Pegida verbreitete.

Oertel hatte das Bündnis im Januar verlassen, nachdem ein Foto von Pegida-Gründer Lutz Bachmann aufgetaucht war, in dem er sich als Adolf Hitler verkleidet hatte. Anschließend gründete sie die Organisation Direkte Demokratie für Europa, mit der sie sich rechts der CDU positionieren wollte und nahm an Veranstaltungen von Endgame teil.