Konrad Adenauer war einer der ersten, der sich zu möglichen Entschädigungen für die Verbrechen des Nationalsozialismus bekannte. "Im Namen des deutschen Volkes sind unsagbare Verbrechen begangen worden, die zur moralischen und materiellen Wiedergutmachung verpflichten", sagte der erste Bundeskanzler 1951 vor dem Bundestag. Dafür erhielt er breite Zustimmung.

Heute, wo Griechenland die Frage nach der deutschen Kriegsschuld wieder aufgeworfen hat, verweist die Regierung in Berlin auf ihre bekannte Rechtsposition: Auf der Londoner Schuldenkonferenz 1953 war das Thema deutscher Reparationszahlungen auf die Zeit nach der deutschen Wiedervereinigung vertragt worden. Als 1990 dann die Mauer fiel, trat an die Stelle eines Friedensvertrags das Zwei-plus-Vier-Abkommen, das mögliche Reparationen für erledigt erklärte.

Formal hat die Bundesrepublik also seit dem Zweiten Weltkrieg niemals Reparationszahlungen geleistet. Untätig ist Deutschland zwar nicht geblieben, doch wurde das Thema stets elegant umschifft. Wir haben Beispiele zusammengetragen, wo die Bundesrepublik zahlte und sich anderswertig engagierte.

Wiedergutmachungsabkommen mit Israel

Als erste Initiative zur finanziellen Begleichung deutscher Kriegsschuld gilt gemeinhin der Vertrag zwischen der Bundesrepublik und Israel sowie der Jewish Claims Konferenz von 1952, der in England als "Reparations Agreement" firmierte. In Deutschland fand man den umstrittenen Begriff des "Wiedergutmachungsabkommens". Als ob man mit den knapp 3,5 Milliarden Mark, die Deutschland insgesamt bereitstellte, irgendetwas hätte wiedergutmachen können. "Gegen das Wort Wiedergutmachung hätte man sofort gerichtlich Einspruch erheben und verbieten müssen, es im Zusammenhang mit Judenverfolgungen zu nennen", schrieb die jüdische Publizistin Lea Fleischmann einige Jahre später.

Doch der Terminus war von den Deutschen mit Bedacht gewählt, eben um den Reparationsforderungen der Siegermächte kein einklagbares Beispiel zu liefern. Der Staat Israel als erster Begünstigter der deutschen Wiedergutmachungspolitik war aber auch ein Sonderfall, da er, erst 1948 gegründet, auf Reparationen im engeren Sinne keinen Anspruch hatte. Die Deutschen zahlten, um das Leid, das sie den Juden zugefügt hatten, zu mindern. Historiker nennen das deutsch-israelische Abkommen daher "reparationsäquivalent". 

Entschädigungen für Westeuropa

Ähnliche Verträge schloss die Bundesrepublik einige Jahre später auch mit acht westeuropäischen Siegermächten: Luxemburg, Norwegen, Dänemark, Griechenland, Niederlande, Frankreich und Belgien. In diesen sogenannten Globalabkommen erklärte sich die Bundesrepublik zu Entschädigungen für NS-Verfolgte bereit, die sich insgesamt auf 971 Millionen D-Mark beliefen. Dies geschehe – der Vermerk war den deutschen Unterhändlern besonders wichtig – jedoch auf rein freiwilliger Basis. Da man nur für Verfolgung, nicht jedoch allgemein für den Krieg bezahle, könne von Reparationen keine Rede sein.

Der Schweizer Reparationsexperte Jörg Fisch hält das für bloße Symbolik. Der Krieg und die Gewaltherrschaft der Nazis seien doch untrennbar miteinander verbunden, schreibt er in seiner Studie über deutsche Reparationen nach 1945. Wer von dem einen rede, könne von dem anderen nicht schweigen. Doch die Bundesregierung wollte durch diese symbolische Trennung den öffentlichen und diplomatischen Druck abmildern und gleichzeitig einen Präzedenzfall vermeiden. Die Zahlungen sollten so weit unter den ursprünglichen Forderungen gehalten werden. Auch wenn die Opferverbände bisweilen empört reagieren, ging die Strategie auf.