Ein Plakat nahe der Ortschaft Tröglitz heißt Flüchtlinge willkommen. © Jens Schlueter/Getty Images

Nach dem Brandanschlag auf das Asylbewerberheim in Tröglitz befürchtet Außenminister Frank-Walter Steinmeier eine Schädigung des Ansehens Deutschlands. "Die Ereignisse von Tröglitz sind eine Schande", sagte der SPD-Politiker der Welt am Sonntag. "Wir sollten nicht überrascht sein, dass auch bei unseren Partnern in der Welt mit großer Sorge registriert wird, wenn in Deutschland Flüchtlingsunterkünfte brennen, und dass genau verfolgt wird, wie die deutsche Gesellschaft darauf reagiert."

Eine breite Mehrheit in Deutschland lehne Fremdenfeindlichkeit klar ab, sagte Steinmeier. Er rief dazu auf, der Verantwortung für Flüchtlinge gerecht zu werden. "Wir dürfen in Europa, auch in Deutschland, nicht wegschauen. In vielen Initiativen vor Ort werde bereits angepackt, sagte er.

Eine im Auftrag der Bild am Sonntag durchgeführte Emnid-Umfrage legt nahe, dass jeder vierte Deutsche dazu bereit wäre, bei sich zu Hause Flüchtlinge aufzunehmen. 26 Prozent und sogar 33 Prozent der Ostdeutschen seien demnach bereit, Hilfesuchende in der eigenen Wohnung einzuquartieren. 69 Prozent lehnen dies ab. 76 Prozent und sogar 84 Prozent im Osten geben an, kein Problem damit zu haben, wenn in ihrer unmittelbaren Umgebung ein Flüchtlingsheim entstünde. Für 18 Prozent wäre dies problematisch.

Steinmeier sagte: "Auch wenn wir das Flüchtlingselend nicht lösen können – wir müssen helfen, die Folgen zu lindern." Es müsse noch mehr passieren, um zu verhindern, dass "immer wieder Menschen auf dem lebensgefährlichen Weg über das Mittelmeer sterben".

Bund beteiligt sich an Kosten

Auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz in Sachsen-Anhalt, in das im Mai 40 Flüchtlinge einziehen sollten, war in der Nacht zum Karsamstag ein Brandanschlag verübt worden. Zuvor war der ehrenamtliche Bürgermeister des Ortes wegen rechtsextremer Anfeindungen zurückgetreten

Die zuletzt steigenden Flüchtlingszahlen und die damit verbundenen Kosten für die Kommunen befeuerten aus Sicht des Landrats des Burgenlandkreises, zu dem auch Tröglitz gehört, die rechte Propaganda. In seinem Kreis seien für dieses Jahr elf Millionen Euro für Asylbewerberleistungen veranschlagt und damit mehr als dreimal so viel wie 2014, sagte Götz Ulrich (CDU) der Zeitung Die Welt. Der Fehlbetrag im Haushalt verdopple sich dadurch von fünf auf zehn Millionen Euro. "Das ist ein gefundenes Fressen für die Propaganda der NPD und anderer Rechtsextremisten. Ich kann unsere Kollegen aus der Bundespolitik nur dringend bitten, uns zusätzliche Mittel zuzuweisen", sagte der Landrat.

Rechtsextremismus kein ostdeutsches Phänomen

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) forderte im Interview mit dem Deutschlandfunk eine stärkere Beteiligung des Bundes an der Unterbringung von Flüchtlingen. Die zuvor von SPD-Chef Sigmar Gabriel erhobene Forderung sei wichtig, sagte Schwesig. Bundeskanzlerin Angela Merkel müsse dafür mehr Geld bereitstellen.

Zugleich wies Schwesig darauf hin, dass Rechtsextremismus kein ostdeutsches, sondern ein gesamtdeutsches Problem sei. Es wäre leichtfertig, das in diese Ecke zu schieben. "Wir haben insgesamt in Deutschland eine Tendenz zu ausländerfeindlichen Haltungen, auch zu rechtsextremistischen Gewalttaten", sagte sie. Dabei erinnerte sie an Hooligan-Ausschreitungen und die NSU-Morde. "Es wäre eine große Gefahr, wenn wir glauben würden, Tröglitz ist ein Einzelfall."

Zuvor hatte bereits Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) darauf hingewiesen, dass es auch in anderen Orten in Deutschland zuletzt zahlreiche fremdenfeindliche Übergriffe gegeben hat. "Die Zahl der Übergriffe steigt im gesamten Bundesgebiet deutlich an. Tröglitz ist überall", sagte er der Zeitung Die Welt. Zudem forderte er einen entschiedenen Kampf gegen Fremdenfeindlichkeit.

Vor ausländerfeindlichen Entgleisungen warnte zuletzt auch Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich. "Fremdenfeindliche oder rassistische Ausfälle durch Redner werden wir nicht dulden", sagte er mit Blick auf die Pegida-Demonstration am Montag, zu der auch der niederländische Islamfeind Geert Wilders eingeladen ist.