Fast täglich werden in der BND-Affäre neue Details bekannt, manchmal sogar ganze Operationen. Doch oft bleibt unklar, wer genau davon gewusst hat und wer verantwortlich ist. Jede Frage danach zieht weitere Fragen nach sich. Was also ist bekannt und was wissen wir (noch) nicht? 

Kern der BND-Affäre sind bislang drei Operationen, die der Bundesnachrichtendienst zwischen 2002 und 2013 zusammen mit der National Security Agency (NSA), der Central Intelligence Agency (CIA) und dem britischen Government Communications Headquarters (GCHQ) betrieb: Eikonal, Glotaic und Monkeyshoulder.

Operation Eikonal

Die Beteiligten
NSA, Bundenachrichtendienst, Bundeskanzleramt, Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik

Die Grundlage
Ein Memorandum of Agreement aus dem Jahr 2002 liegt der Operation zugrunde. Es ist nur sechs Seiten lang, doch die streng geheimen Anhänge, in denen die Übereinkunft genauer erläutert wird, umfassen mehr als 70 Seiten. Unterschrieben wurde es von NSA-Chef Michael Hayden und BND-Präsident August Hanning, gebilligt offenbar vom damaligen Kanzleramtschef Frank-Walter Steinmeier.

Das Vorgehen
Zwischen 2004 und 2008 arbeiteten BND und NSA zusammen an diesem Projekt. Dafür wurden Daten durchsucht, die aus Glasfaserleitungen des Internetknotens DE-CIX in Frankfurt ausgeleitet wurden. Die Leitungen enthielten Datenverkehr aus dem Nahen Osten. Aber auch innerdeutsche Leitungen wurden abgehört. Der BND vermutete, dass über sie relevante Informationen zu Themen wie Terrorismus oder Waffenschmuggel geschickt wurden.

Hinter den "Erfassungskopf", der an das Glasfaserkabel angeschlossen wurde, schaltete der Dienst einen Filter, um Daten von Deutschen herauszuhalten. Dieser Filter wurde Dafis genannt. Er funktionierte aber nie zu einhundert Prozent. Filter und Technik waren vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik auf ihre Funktionsweise hin untersucht worden, allerdings nur auf dem Papier und im Labor, nie in der Praxis.

Im Zentrum der Affäre um BND und NSA stand eine Handvoll Männer. Heute wollen sie sich an nichts mehr erinnern. Unsere interaktive Grafik zeigt die Personen des Skandals.

Alles, was nach dem Filtern übrigblieb, leitete der BND in seine Zentrale nach Pullach und von dort in die Abhöranlage im bayerischen Bad Aibling weiter. Dort arbeiten BND und NSA in einer Arbeitsgruppe namens Joint Sigint Activity zusammen. Bad Aibling ist eigentlich eine Station zum Abhören von via Satellit übertragenen Telefondaten. Es liefen aber auch die Daten aus der Überwachung des IP-vermittelten Verkehrs ein, also aus dem Internet. Anschließend durchsuchten die Dienste diese Daten mithilfe sogenannter Selektoren.

Die Selektoren
Mehrmals täglich lädt der BND bis heute von einem Server der NSA Selektoren herunter. Das sind Suchbegriffe wie Telefonnummern, IP-Adressen, MAC-Adressen, Geokoordinaten und E-Mail-Adressen, aber auch Abkürzungen von Unternehmen oder Namen von Personen. Mit diesen Begriffen durchsucht der BND die abgehörten Daten und übermittelt die gefundenen Informationen wiederum an die NSA. Obwohl die Operation Eikonal beendet ist, nutzt der BND offenbar weiterhin amerikanische Selektoren, um Internetdaten aus Frankfurt nach Informationen zu durchsuchen. Gleichzeitig hat der BND auch eigene Selektoren, die ebenfalls über die Daten laufen.

Offene Fragen
Eikonal ist dank des NSA-Untersuchungsausschusses das bislang am besten erforschte Geheimprojekt des BND. Dennoch sind weiter viele Fragen offen:

Warum merkte der BND zwar früh, dass er von der NSA für Spionage gegen europäische und auch deutsche Ziele missbraucht wurde, informierte aber niemanden darüber? Wer im Bundeskanzleramt erfuhr schließlich doch davon und billigte es?

Wie viele Selektoren hat die NSA wirklich an den BND übermittelt? Ursprünglich war die Rede von 800.000 bis eine Million Selektoren in einem ungenannten Zeitraum. Die Süddeutsche Zeitung schreibt, zwischen 2002 und 2013 seien es "690.000 Telefonnummern und 7,8 Millionen IP-Suchbegriffe" gewesen. Der Spiegel spricht von insgesamt 4,6 Millionen Suchbegriffen "bis 2015".

Wurden die Selektoren nur im Rahmen der Operation Eikonal benutzt? Oder setzt der BND sie weiterhin in anderen Überwachungsprojekten ein? Zumindest ruft der Dienst sie immer noch von den NSA-Servern ab.