Das "Ja" der Iren war deutlich. Eine Mehrheit von 62 Prozent hat sich beim Volksentscheid für die Gleichstellung von homosexuellen Paaren ausgesprochen. Auch die Bundesregierung will diese Paare in Deutschland rasch besserstellen. "Man sollte denken, was die katholischen Iren können, können wir auch", sagte CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn der Welt. "Die Bevölkerung ist in diesen Fragen oft weiter, als wir denken."

Das Bundeskabinett will am Mittwoch über einen Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas (SPD) beraten, durch den eingetragene Lebenspartnerschaften rechtlich stärker an die Ehe herangeführt werden sollen. "Wir werden in 23 verschiedenen Gesetzen und Verordnungen die Vorschriften für die Ehe auf Lebenspartnerschaft ausdehnen", sagte Maas Spiegel Online. Dies sei "ein weiterer Schritt auf dem Weg zur umfassenden Gleichstellung". 

Vorgesehen sind beispielsweise Erleichterungen im Zivil- und Verfahrensrecht. Künftig sollen homosexuelle Paare etwa die Möglichkeit haben, eine Bescheinigung zu beantragen, wenn sie im Ausland eine Partnerschaft auf Lebenszeit begründen wollen. Eine solche Bescheinigung ist in vielen Staaten erforderlich. "Bestehende Diskriminierungen müssen beendet werden", sagte Maas. Im Wesentlichen geht es um redaktionelle Änderungen von Vorschriften: So soll in diversen Gesetzespassagen dem Wort "Ehegatte" ein "oder Lebenspartner" hinzugefügt werden.

Auch die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt zeigte sich zuversichtlich, dass das Votum der Iren die Gleichstellung in Deutschland beschleunigt. "Die Merkel-Union wird die Debatte um die Ehe für alle nicht einfach aussitzen können." Deutschland sei mit dem Lebenspartnerschaftsgesetz von 2001, das die rot-grüne Koalition auf den Weg gebracht hatte, einst Vorreiter der Gleichstellung gewesen. Inzwischen "hat uns sogar Irland überholt", kritisierte Göring-Eckardt.

Volker Beck, der religions- und innenpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, kündigte an, seine Partei werde im Bundestag einen neuen Gesetzesvorstoß "zur Öffnung der Ehe" einbringen mit dem Ziel, dadurch das Lebenspartnerschaftsgesetz abzulösen. Dieses sei rechtspolitisch nur als eine "Übergangslösung auf dem Weg zur Gleichberechtigung" zu betrachten.

Das Votum im katholisch geprägten Irland wertete Beck auch als Signal für eine Reform der kirchlichen Sexualmoral. Auf der im Herbst bevorstehenden Weltbischofssynode zu Ehe und Familie solle die Kirche die Chance nutzen, "endlich Schwule und Lesben als Gottes Ebenbild anzunehmen".

Nur rund 20 Länder weltweit ermöglichen das volle Eherecht für homosexuelle Paare, Deutschland ist noch nicht so weit. Union und SPD hatten sich bei ihren Koalitionsverhandlungen 2013 auf die Vereinheitlichungen geeinigt, jedoch nicht auf die volle Gleichstellung eingetragener Lebenspartnerschaften mit der Ehe. "Diese rechtliche Gleichstellung muss und wird weitergehen", sagte Maas. Sie sei aber in der großen Koalition mit CDU/CSU schwer realisierbar. Konservative Kreise in der Union stellen sich weiterhin schwer mit der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare.

Irland ist das erste Land, in dem die gleichgeschlechtliche Ehe laut amtlichem Endergebnis vom Samstag erstmals durch eine Volksabstimmung herbeigeführt wurde.