Die neue FDP gleicht optisch einem Knallbonbon: Konfettistreifen aus Magenta, Gelb und Hellblau! German Mut, das Motto des FDP-Parteitags, strahlt so groß und grell vor der kargen Halle in Berlin-Kreuzberg, dass die Mitglieder davor begeistert Selfies schießen. "Wir sind selbstbewusste und stolze Freie Demokraten", sagt der stellvertretende Parteichef Wolfgang Kubicki zum Auftakt des Delegiertentreffens.

Was für ein Unterschied zu diesen tristen Dezembertagen 2013: Die FDP traf sich nur kurz nach dem Bundestagswahl-Desaster am gleichen Ort, einem stillgelegten Bahnhof. Die Stimmung war schlecht, die alte Parteiführung abgetreten, die FDP mit Millionen Euro verschuldet, die politische Zukunft unklar.

"Das war unsere Stunde Null", sagt FDP-Chef Christian Lindner in seiner Parteitagsrede am Freitag und klingt dabei ein bisschen stolz. "Uns war nichts sicher, außer Spott und Mitleid."

Die Dezembertage waren auch für den heute 36-Jährigen eine Zäsur. Eigentlich hatte sich Lindner 2011 frustriert aus der Bundespolitik zurückgezogen, als FDP-Generalsekretär der zerstrittenen schwarz-gelben Bundesregierung hingeschmissen. Doch dann kam der Nordrhein-Westfale zurück, in der tiefsten Krise, als neuer Chef der FDP. Weil er nicht anders konnte, der Mann aus Wermelskirchen, der seit seinem 16. Lebensjahr Parteimitglied ist und seit dem 21. aktiver Berufspolitiker. Was für eine Verantwortung: Plötzlich sollte er den deutschen Liberalismus retten. Ganz allein.

Mit dieser Bürde ist Lindner ganz gut umgegangen – an diesem Punkt lobt er sich auch gerne selbst. Viele hätten erwartet, dass die Partei in der außerparlamentarischen Opposition "schrill und extrem werde", erinnert der Parteichef seine klatschenden Zuhörer. Doch die FDP sei "keinen Zentimeter den Euro-Hassern nachgelaufen". Nie habe die Partei ihre Liberalität "einem raschen Applaus" geopfert.

"Freie Demokraten" statt "Liberale"

Tatsächlich hat der Parteichef populistische Äußerungen in den vergangenen Monaten bewusst gemieden. Er hat die FDP vor allem im Auftritt erneuert: siehe Knallbonbon. Passend dazu nennt man sich nun "Freie Demokraten", das klingt unabhängiger und fröhlicher als "Liberale", bei denen sich viele noch an Philipp Rösler und die "Anschlussverwertung" für die Schlecker-Frauen erinnern.

Außerdem, auch das ist Lindners Verdienst, tritt wirklich jeder FDPler nun als erklärter Optimist auf und nicht mehr als sich übervorteilt fühlender Besserverdiener. Das liberale Versprechen, dass jeder Fleißige die besten Chancen bekommt, unabhängig von seiner Herkunft, ist zwar alles andere als neu. Es stand auch schon in den Programmen, die Rösler und Rainer Brüderle verantworteten. Doch Lindner füllt es mit Leben.

Er versucht sichtlich, nicht mehr so intellektuell zu sprechen, wie er manchmal denkt. "Wir glauben, dass Deutschland seine besten Zeiten noch vor sich hat", ist so ein Satz, den Lindner derzeit gerne sagt. Während die Große Koalition die Bürger entmündige, bevormunde und bespitzele, glaube nur die FDP an die Chancen und die Kraft des Einzelnen. German Mut soll das Leitmotto gegen die Große Koalition werden – der semantische Gegensatz zum internationalen Vorurteil der German Angst.

"Säuselliberalismus", so nannte der spätere Spitzenkandidat Rainer Brüderle noch 2011 die Versuche der jungen FDPler um Lindner, die einen netteren Tonfall und eine breitere inhaltliche Aufstellung der Steuersenkungspartei anmahnten. Tatsächlich hat Lindner die FDP in den vergangenen Monaten säuseliger gemacht, doch an vielen Stellen ist sie inhaltlich weiter auf Brüderle-Kurs.