Ein gleichgeschlechtliches Paar mit Kind in Sausalito, Kalifornien © Noah Berger/Reuters

Die Union debattiert weiter über die rechtliche Gleichstellung homosexueller Paare mit Eheleuten. Fraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, für ihn bleibe die Ehe im Sinne des Grundgesetzes die Verbindung von Mann und Frau. Er lehne auch das volle Adoptionsrecht für Lebenspartnerschaften ab.

Dagegen plädierte Fraktionsvize Nadine Schön (CDU) für eine Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben. Sie fühle sich an die Position ihrer Partei gebunden, werbe aber dafür, "dass wir die Frage der Gesellschafts- und Familienpolitik auf dem nächsten Parteitag vom Grunde auf führen", sagte sie dem Magazin Focus.

Der Staat solle, sagte die Familienpolitikerin, zwei Modelle unterstützen: Menschen, die lebenslange Verantwortung füreinander tragen, und Familien, die Kinder großziehen. Schön, die Mitglied im Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) ist, zeigte sich verärgert wegen der Attacken von SPD, Grünen und Linken gegen das Gesellschaftsbild der Union. "Das linke Parteienspektrum wirbt zwar lautstark für die Ehe, will aber jegliche Priorisierung abschaffen", sagte sie mit Blick auf die Debatten über die Homo-Ehe und über die Abschaffung des Ehegattensplittings.

Der stellvertretende Unionsfraktionsvorsitzende Thomas Strobl (CDU) sagte, die Union müsse sich der Frage stellen, was Ehe und Familie im 21. Jahrhundert bedeuteten. "Wir sollten einen offenen Blick auf gesellschaftliche Entwicklungen werfen", sagte Strobl der Rheinischen Post.

Es entgehe der Union nicht, "was in unserem eigenen Land und um uns herum in Europa passiert", sagte er mit Blick auf die Entscheidung der Iren für die vollständige Gleichstellung der Homo-Ehe. "Das ist eine große Herausforderung, der wir uns als Partei stellen, für die Ehe und Familie seit jeher eine ganz besondere Bedeutung hat."

Amnesty International kritisiert zögerliche Gleichstellung

Amnesty International forderte von der deutschen Politik, "endlich die vollständige Gleichstellung lesbischer und schwuler Paare im Eherecht zu beschließen". Der am Mittwoch vom Kabinett beschlossene Gesetzentwurf von Justizminister Heiko Maas (SPD) zur Stärkung von eingetragenen Lebenspartnerschaften sei Augenwischerei und zementiere die Diskriminierung gleichgeschlechtlicher Paare, sagte die deutsche AI-Generalsekretärin Selmin Caliskan.

Jeder Mensch habe das Recht, frei zu entscheiden, wen er oder sie heiraten wolle. "Auch in Deutschland muss dieses Menschenrecht endlich gewährleistet werden."