Hans-Olaf Henkel im Wahlkampf für die AfD in Hamburg im Januar 2015 © Fabian Bimmer/Reuters

Der AfD-Politiker Hans-Olaf Henkel verlangt eine "Säuberung" der Partei im Sinne einer Trennung von ihrem rechten Flügel. Dessen Repräsentanten Frauke Petry und Alexander Gauland müssten aus der AfD gedrängt werden, sagte Henkel dem Spiegel vier Wochen vor dem Bundesparteitag in Kassel: "Wir müssen die Partei von diesen Elementen säubern."

Henkel war im April als stellvertretender AfD-Vorsitzender zurückgetreten. Er begründete das mit Versuchen von "Rechtsideologen", die Partei zu übernehmen. Henkel steht für den wirtschaftsliberalen Flügel der AfD und ist ein enger Vertrauter von Parteichef Bernd Lucke.

Einen Kompromiss mit dem nationalkonservativen Lager um Petry und Gauland sieht der Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie als unmöglich an: "Tausende Mitglieder leiden unter diesen Leuten. Sie sagen: Bitte, vertragt euch. Aber sie begreifen nicht, dass das nicht geht."

Das Lager von Lucke und Henkel musste einen weiteren Rückschlag hinnehmen: Der Bundesschatzmeister der AfD, Piet Leidreiter, erklärte am Freitag seinen Rücktritt und forderte die sofortige Auflösung des Parteivorstands, der nicht mehr arbeitsfähig sei: "Jedes Vertrauen und jegliche Zusammenarbeit fehlt", schrieb Leidreiter auf Facebook. Diskussionen sollten mit offenem Visier geführt werden, doch "mediale Angriffe aus dem Hinterhalt dominieren das Tagesgeschäft!"

Dem Spiegel zufolge will Lucke am Dienstag in Straßburg verkünden, unter welchen personellen und inhaltlichen Bedingungen er an der Parteispitze bleiben will. Über die Zusammensetzung der neuen Führung soll im Juni ein Bundesparteitag entscheiden. Der Co-Vorsitzende Konrad Adam hatte am Tag der Landtagswahl in Bremen behauptet, Lucke wolle die AfD verlassen und eine neue Partei gründen. Lucke kommentierte dies nicht öffentlich.

In einer E-Mail an alle Mitglieder schrieb er aber: "An diesem Gerücht ist lediglich wahr, dass ich mir große Sorgen um die AfD mache." Antikapitalistische, deutsch-nationale, antiislamische und zuwanderungsfeindliche Kräfte hätten dem Ansehen der AfD zuletzt stark geschadet. Auch Lucke hält einen Bruch zwischen den beiden Flügeln für unausweichlich. Er sprach von "Kräften, die eine andere, radikalere AfD wollen".

Petry spricht von Erpressung und Geiselhaft

Die damit angesprochene Co-Vorsitzende Petry warnte Lucke davor, seinen Einfluss zu überschätzen. "Wer den AfD-Bundesvorstand verlässt, entscheiden im Juni die Delegierten des Parteitags in Kassel und nicht Bernd Lucke", sagte sie Bild. Die AfD lasse sich nicht erpressen: "Ich kann Bernd Lucke nur davor warnen, die ganze Partei in Geiselhaft nehmen zu wollen." Sie sei jedoch zu einer Zusammenarbeit mit ihm bereit.

Im Handelsblatt warf die Chefin der AfD-Landtagsfraktion in Sachsen dem Parteigründer einen schlechten Führungsstil vor: "Für ihn bedeutet Kompromiss, wenn er seine Position durchsetzt und der andere nachgibt." Diese Haltung habe die AfD in den vergangenen Monaten nicht stärker, sondern schwächer gemacht. "Die entscheidende Frage ist, ob in den Streitfragen ein Kompromiss möglich ist."

Seit Februar 2013 habe es nur zwei politische Strategiegespräche in der AfD-Führung gegeben, kritisierte Petry in der Welt. "Und selbst dazu musste Bernd Lucke genötigt werden." Er habe nicht verstanden, dass es zum Wesen der Parteiarbeit gehöre, die verschiedenen Strömungen zu integrieren: "Hier wird er noch an sich arbeiten müssen."

Mitgliederentscheid gestoppt

Am 13. Juni wählt die AfD auf einem Parteitag in Kassel einen neuen Bundesvorstand. Lucke hat gute Chancen, alleiniger Vorsitzender zu werden. Bisher stehen Petry und Adam gleichberechtigt mit ihm an der Spitze der Partei. 

Der Streit dürfte sich bis dahin noch verschärfen: Der Mitgliederentscheid der AfD über ihren künftigen Kurs wurde nämlich als satzungs- und verfassungswidrig gestoppt, teilte Adam auf seiner Facebook-Seite mit. Das Bundesschiedsgericht habe dabei angeordnet, dass alle Stimmzettel des Entscheids umgehend vernichtet werden müssten.

Laut Adam beanstandete das Bundesschiedsgericht, dass die Mitglieder über die sieben Thesen nur mit Ja, Nein und Enthaltung abstimmen sollten. Eine differenzierte Entscheidung über die Kernpunkte zum Thema Islam, Asyl, Demokratie, Marktwirtschaft oder Europa wäre so nicht möglich gewesen. Adam sagte, das zeige sich etwa an der These zur parlamentarischen Demokratie, in der nach Zustimmung zu Volksabstimmungen gefragt wurde. "Auch ich habe erhebliche Probleme damit, da mit Ja oder Nein zu stimmen", sagte er ZEIT ONLINE. "Ich bin nicht gegen die parlamentarische Demokratie, kritisiere aber Auswüchse des Parteienstaates."