Für seine Verdienste für die Europäische Union hat EU-Parlamentspräsident Martin Schulz den Internationalen Karlspreis erhalten. Schulz habe sich als Vordenker um die Stärkung des Parlaments verdient gemacht, betonte das Direktorium des Karlspreises. Bundespräsident Joachim Gauck würdigte den SPD-Politiker als Kämpfer für die europäische Demokratie. Er sei ein Mann, "der sagt, was ist", und der "Probleme nicht weg-beschwichtigt".  

In der Rede forderte Bundespräsident Joachim Gauck die Europäer auf, angesichts neuer Gefahren von innen und außen enger zusammenzurücken. Gauck warnte vor einer Rückkehr des Nationalismus. "Wir erleben eine Krise des Vertrauens, des Vertrauens in das politische Projekt Europas, so wie es bisher existiert", sagte er. In fast allen EU-Staaten gebe es populistische Tendenzen von links und rechts. Nach der Wahl etwa in Großbritannien sei zudem unsicher, wie groß der Zusammenhalt der Mitgliedstaaten noch sei. Dort soll spätestens 2017 eine Volksabstimmung zum Austritt aus der EU stattfinden.

Dabei müssten die Europäer gerade jetzt ihre fundamentalen Werte verteidigen, sagte Gauck in Bezug auf terroristische Bedrohungen und die Kriege in der Ukraine und Libyen. "Und immer, wenn es um Fundamentales geht, ist es unerlässlich, dass wir als Europäer zusammenrücken", betonte er.

Deutschland wies der Bundespräsident eine besondere Verantwortung für die friedliche Entwicklung Europas zu. "Wir Deutsche in der Mitte der EU wollen dauerhaft ein verlässlicher Anwalt des europäischen Einigungsprozesses bleiben." Deutschland sei nie europäischer gewesen als heute.

Eine lebenswerte Perspektive für Afrika schaffen

Auch auf die steigende Zahl der Flüchtlinge kam der Bundespräsident zu sprechen. Solange es in Europa keine einvernehmliche Lösung im Umgang mit den Flüchtlingen gäbe, müssten die nationalen Regierungen umso stärker aktiv werden. Es gehe darum, Menschenleben zu retten. Zugleich müsse für Europa und Afrika eine lebenswerte Perspektive gestaltet werden.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini informierte am Donnerstag die Nato-Außenminister bei einem Treffen in der Türkei über die europäischen Überlegungen, Schleuser militärisch zurückzudrängen. Details drangen zunächst nicht nach außen. Die nächsten Schritte sollen am Montag bei einem gemeinsamen Treffen der europäischen Außen- und Verteidigungsminister in Brüssel beschlossen werden. Die USA haben bereits angedeutet, dass sie mit Informationen über Menschenschmuggler-Aktivitäten helfen könnten. Hauptziel des EU-Militäreinsatzes soll sein, von Schleuserbanden genutzte Schiffe zu zerstören, bevor sie Flüchtlinge transportieren können.

Mit dem Karlspreis werden jedes Jahr Politiker für ihren Einsatz für die EU-Integration gewürdigt. Zu den Preisträgern zählten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und der jetzige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. An der Verleihung im Krönungssaal des Aachener Rathauses nahmen am Donnerstag acht Staatsoberhäupter teil.