Der Bundesnachrichtendienst (BND) hat im August 2013 Tausende sogenannte Selektoren gelöscht. Mit diesen habe die NSA Diplomaten und Mitarbeiter von Regierungen in Europa ausspioniert, berichtet der Spiegel. Die Suchmerkmale seien während einer Untersuchung am Horchposten in Bad Aibling eingespeister Suchbegriffe entdeckt worden.

Ein Sachbearbeiter habe eine NSA-Suchdatei mit Bestandteilen von E-Mail-Adressen durchsucht, die Diplomaten, Behörden und Regierungen in Deutschland nutzen. Dabei habe er 12.000 entsprechende Merkmale gefunden. Darunter seien mehrere E-Mail-Adressen hochrangiger französischer Diplomaten gewesen, heißt es in dem Berichtweiter.

Der Sachbearbeiter habe seine Entdeckung am 14. August 2013 dem BND-Verantwortlich mitgeteilt. "Was soll ich damit machen?", habe der Beamte geschrieben. Der Vorgesetzte antwortete mit einem Wort: "Löschen."

Die Süddeutsche Zeitung, der NDR und der WDR hatten am Donnerstag berichtet, dass der BND und die NSA mit Technik des BND von Bad Aibling aus Beamte des französischen Außenministeriums, des Élysée-Palastes und der EU-Kommission ausspionierten. Der Kommissionspräsident forderte daraufhin die Bundesregierung auf, die Affäre aufzuklären. "Das muss von den deutschen Behörden, auch den parlamentarischen, geklärt werden."

Der BND soll der NSA jahrelang dabei geholfen haben, europäische Unternehmen und Politiker auszuspionieren. Das Kanzleramt wusste davon seit 2008. In mehreren Antworten auf parlamentarische Anfragen der Linksfraktion hatte die Regierung in den vergangenen Monaten aber gesagt, es gebe "keine Erkenntnisse zu angeblicher Wirtschaftsspionage".