Sigmar Gabriel bei der Verleihung des Aachener Karlspreises © Sascha Steinbach/Getty Images

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat den Kommunen einen Kompromiss für die Finanzierung höherer Gehälter für Erzieher vorgeschlagen. Der SPD-Vorsitzende empfiehlt, die Unterbringung von Flüchtlingen komplett aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. "Das gibt den Kommunen finanziellen Spielraum auch für eine faire Bezahlung der Erzieherinnen", sagte Gabriel der Bild am Sonntag.

Erzieher und Flüchtlinge dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Das wäre sozialer Sprengstoff und würde die Solidarität der Bevölkerung mit den Flüchtlingen gefährden, sagte er weiter. Die Forderungen nach einer besseren Bezahlung von Erziehern werde von einer breiten Mehrheit der Bevölkerung unterstützt. Erzieher würden für ihre wichtige und schwierige Arbeit "eindeutig nicht" angemessen bezahlt.  

Der gegenwärtige Streik der Erzieher und Sozialarbeiter habe auch damit zu tun, ob die Politiker "endlich ernst machen mit der anständigen Bezahlung in traditionellen 'Frauenberufen'", sagte Gabriel. Zugleich forderte er, die Kita-Gebühren wie in den SPD-geführten Ländern Hamburg und Rheinland-Pfalz bundesweit abzuschaffen. Der Bundeswirtschaftsminister hatte in den letzten Wochen – sowohl bei der Unterbringung von Flüchtlingen als auch der Finanzierung höherer Erziehergehälter – wiederholt für eine finanzielle Unterstützung der Kommunen durch den Bund plädiert.

Die Erzieher kommunaler Kitas sind seit mehreren Tagen bundesweit im unbefristeten Ausstand. Die Gewerkschaft ver.di, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie der Beamtenbund dbb kämpfen um eine spürbare Anhebung der Gehälter der bundesweit rund 240.000 Erzieherinnen und Sozialarbeiter.

Tatsächlich sind die Aufgaben von Erziehern in den vergangenen Jahren umfassender geworden. Ein Grund, weshalb viele Kita-Beschäftigte über eine schlechte Bezahlung und fehlende Wertschätzung klagen. Die Einstufung im Tarifsystem der Erzieherinnen erfolgt nach Tätigkeit und Berufserfahrung. Eine Erzieherin mit achtjähriger Tätigkeit etwa bekommt nach Angaben von ver.di derzeit 2.946 Euro brutto im Monat, nach den Vorstellungen der Gewerkschaft soll sie künftig 3.387 Euro erhalten.