Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat einen Schuldenschnitt für Griechenland erneut strikt abgelehnt. "Das kann es in einer Währungsunion nicht geben", sagte sie im ARD-Sommerinterview. Ein Szenario, in dem jedes Land einen Schuldenschnitt fordert, das mehr Schulden hatte, als das Land mit den geringsten Schulden in der EU, sei undenkbar. Verhandelbar seien dagegen Schuldenerleichterungen in Form von längeren Kreditlaufzeiten und niedrigeren Zinsen für Griechenland. Nachdem es nun ein Verhandlungsmandat für neue Griechenland-Hilfe gebe, müsse schnell über ein neues Hilfspaket verhandelt werden. Zugleich kritisierte Merkel die politische Führung in Griechenland: Die Syriza-Regierung und auch deren Vorgängerin hätten Reformen lange verschleppt.

Die Kanzlerin verlangte zudem ein Ende der Debatte über ein mögliches Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone. Einen Grexit als solchen gebe es gar nicht. Zwar habe diese Option auf dem Tisch gelegen, "aber wir haben uns für eine andere entschieden", sagte Merkel. "Es gibt nur die Möglichkeit, mit Griechenland einen gemeinsamen Weg zu gehen." Sonst werde eine chaotische Situation heraufbeschworen, weil die Finanzminister und Staats- und Regierungschefs sich nicht einigen könnten. "Ich glaube, dass das Wichtige jetzt wirklich das Ergebnis ist", sagte Merkel. Das wiederholte sie insgesamt drei Mal. Nun müsse umgesetzt werden, was am Freitag in dem Bundestagsbeschluss zu einem dritten Hilfspaket für Griechenland vereinbart worden sei – mit vielen Gegenstimmen aus Merkels eigener Partei. 

Auch Bundeswirtschaftsminister und SPD-Chef Sigmar Gabriel forderte ein Ende der Grexit-Debatte. "Wenn wir jetzt immer wieder von vorne anfangen, gegen Griechenland vorzugehen, dann werden wir nicht Erfolg haben", warnte Gabriel im ZDF-Sommerinterview.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte einen zeitweisen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone ins Gespräch gebracht und war damit in die Verhandlungen in Brüssel gezogen. Das sorgte in der Koalition für Verstimmungen. Schäuble betonte, der Vorschlag sei in der Regierung abgestimmt gewesen. Vizekanzler Gabriel erklärte aber, ihm sei nur die Idee bekannt gewesen, nicht Schäubles Papier. Seit Tagen überziehen sich Union und SPD – auch Schäuble und Gabriel – mit Vorwürfen und unterschiedlichen Darstellungen zu den Absprachen und Abläufen.

"Jetzt ist dazu alles gesagt. Jetzt gucken wir mal nach vorne"

Gabriel erneuerte im ZDF seine Kritik: "Diesen Vorschlag als deutschen Vorschlag einzubringen, war aus meiner Sicht nicht vernünftig", sagte er. "Das ist etwas (...), was ich jedenfalls nicht gemacht hätte." Der Finanzminister habe die SPD gegen sich aufgebracht. Zu den Querelen zwischen Gabriel und Schäuble sagte die Kanzlerin, die Optionen seien besprochen gewesen und fügte hinzu: "Jetzt ist dazu alles gesagt. Jetzt gucken wir mal nach vorne."

Auch zu einem möglichen Rücktritt von Schäuble äußerte sich die Kanzlerin. "Bei mir war niemand und hat um irgendeine Entlassung gebeten. Und ich habe auch nicht die Absicht, diese Diskussion weiterzuführen." Man werde jetzt an die Arbeit gehen – in der Koalition und der Union. "Da muss sich niemand Sorgen machen", sagte Merkel in der ARD. Angesichts der koalitionsinternen Differenzen hatte Schäuble am Wochenende mit Äußerungen im Spiegel zu einem möglichen Rücktritt für Irritationen gesorgt.

Ukraine-Krise und Flüchtlinge weitere Themen

Merkel und besonders Schäuble waren in den vergangenen Wochen im europäischen Ausland aber auch in Deutschland für ihr "deutsches Spardiktat" kritisiert worden. Merkel wurde als "kalt und herzlos" dargestellt. Auf die Frage, ob dies zutreffe, antwortet die Kanzlerin: "Es geht hier auch nicht um Beliebtheit oder Schönheitspreise." Sie tue das, was sie in einer bestimmten Situation für richtig halte.

Weitere Themen des Sommerinterviews in der ARD waren die Ukraine-Krise und die Flüchtlingspolitik. In diesem Zusammenhang verteidigte Merkel ihre Reaktion auf ein weinendes Mädchen aus dem Libanon. "Ich finde, die Geste war in Ordnung." Sie könne ja nicht Menschen, mit denen sie diskutiere, sagen, "weil du jetzt die Bundeskanzlerin getroffen hast, ist dein Schicksal schneller zu lösen als das von vielen, vielen anderen", sagte Merkel. "Wir sind da ein Rechtsstaat."