Während rot-grüne Landesregierungen schon klarstellten, von einer wie auch immer gearteten Zukunft des Betreuungsgelds nichts wissen zu wollen und die Bayern im Gegensatz dazu notfalls aus der eigenen Landeskasse das Betreuungsgeld für die eigenen Einwohner weiterzahlen wollen, bahnt sich in den Bundesländern, in denen große Koalitionen regieren, weiterer Streit an.

Im Saarland, wo die Nachfrage nach dem Betreuungsgeld recht groß war, meldete sich CDU-Sozialministerin Monika Bachmann etwas verdruckst zu Wort: Sie wolle auch künftig "passgenaue Hilfen für Familien". Diese schwammige Formulierung ist bewusst gewählt, denn in der saarländischen SPD-Fraktion hat man eine klare Meinung zum Betreuungsgeld: "Staatliche Steuermillionen dafür rauszuhauen, dass staatliche Investitionen nicht genutzt werden, ist absurd", sagt die parlamentarische Geschäftsführerin Petra Berg.

Auch in Sachsen machten die mitregierenden Sozialdemokraten schnell klar, dass sie mögliche Millionen lieber im Kita-Ausbau sehen wollen. Bereits seit Jahren wird in Sachsen aber ein einkommensabhängiges Landeserziehungsgeld für Eltern bezahlt, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Dessen Fortbestand hatte die SPD im vergangenen Herbst nur zähneknirschend zugestimmt, als sie mit der CDU eine Regierung bildete. Nun soll wenigstens verhindert werden, dass dieses Erziehungsgeld nach dem CDU-Willen auch noch aufgestockt wird. Der stellvertretende sächsische SPD-Fraktionsvorsitzende Henning Homann hält das Betreuungsgeld des Bundes für "familienpolitisch falsch", wie er am Dienstag per Pressemitteilung erklärte. CDU-Familienministerin Barbara Klepsch betonte hingegen nach dem Verfassungsgerichtsurteil, ihr sei "Wahlfreiheit wichtig".

Aber auch das schwarz-grün regierte Hessen ist sich uneins, wie es nun mit dem Urteil verfahren soll. Aus dem CDU-geführten Sozialministerium ist zu hören, dass man die Bundesgelder gerne künftig "eins zu eins" an die Familien weitergeben wolle: "Auch die Erziehung zu Hause hat ihren Wert." Die Grünen – erklärte Betreuungsgeld-Gegner – wissen noch nicht, wie sie mit der neuen Situation umgehen sollen. "Falls der Bund die Mittel an die Länder weitergeben sollte, werden wir sie selbstverständlich für den Bereich Familie und Kinderbetreuung verwenden", sagt der sozialpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, Marcus Bocklet. Was genau Hessens Koalitionäre darunter verstehen, dürfte Gegenstand von Streitgesprächen werden.

Auch die Bundestagsabgeordneten der Union in Berlin suchen bereits nach neuen Möglichkeiten, um Eltern wertzuschätzen, die ihre ein- bis dreijährigen Kinder zu Hause erziehen. Was bedeutet Wahlfreiheit und wie kann man sie politisch fördern, ohne Betreuungsgelder zu zahlen? Konkrete Ideen gibt es noch nicht. "Wir werden in den kommenden Wochen beraten, wie es weitergeht und was wir für die Familien tun können, die ihre kleinen Kinder daheim erziehen", sagt der Sprecher der Unionsfraktion Weinberg.

"Finanzielle Anreize sind das eine", findet Siegfried Stresing vom Deutschen Familienverband, "ich würde mir vor allem wünschen, dass die Erziehungsleistung der Eltern endlich wieder als positive gesellschaftliche Leistung anerkannt wird. Selbst ein paar warme Worte der beteiligten Politiker würden schon sehr weiterhelfen."