Der außenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Philipp Mißfelder, ist tot. Er starb völlig überraschend in der Nacht von Sonntag auf Montag an einer Lungenembolie, teilte der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder mit. Mißfelder wurde 35 Jahre alt, er hinterlässt eine Frau und zwei Kinder.

"Die CDU/CSU-Bundestagsfraktion verliert einen ihrer profiliertesten Außenpolitiker und ich persönlich einen Freund, der mich auf vielen meiner Reisen begleitet hat", teilte Kauder mit. Mißfelder sei ein überzeugter Freund Israels und ein Kenner Osteuropas gewesen, der außerdem mit großem Engagement die transatlantischen Beziehungen vorangetrieben habe.

Bekannt wurde Mißfelder durch seinen langen Bundesvorsitz der Jungen Union Deutschlands, die er von 2002 bis 2014 anführte. Von 2008 bis 2014 war er Mitglied im Präsidium der CDU. Er war seit 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 2009 außenpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Nach der Bundestagswahl 2013 wurde er Koordinator für die Beziehungen zu den USA, gab den Posten im folgenden Frühjahr wieder auf. Der Rückzug warf Fragen auf. Seine unangekündigte Reise zu einem Empfang mit Russlands Präsident Wladimir Putin inmitten der Ukraine-Krise vor gut einem Jahr sorgte zudem für Kritik innerhalb der Partei.

"Eines der größten Talente in der Politik"

Der Chef von Mißfelders nordrhein-westfälischem Landesverband, Armin Laschet, sagte, die Nachricht hätte die CDU-Spitze während der Präsidiumssitzung erreicht. Es habe Sprachlosigkeit, Fassungslosigkeit und tiefe Trauer geherrscht. "Alles, was man täglich unternimmt, verliert plötzlich seine Bedeutung, Wir sind alle in Gottes Hand", sagte Laschet. Die eigentlich vereinbarte Debatte über die geplante Parteireform wurde verschoben. Die Gremien hätten sich dazu "außerstande" gesehen, berichtete Generalsekretär Peter Tauber anschließend.

Erschüttert zeigte sich Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD): "Es hat mich beeindruckt, wie viel Erfahrung er in jungem Alter bereits gesammelt und in den politischen Diskurs eingebracht hat." Der frühere Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) sagte: "Mit ihm verlieren wir eines der größten Talente in der Politik Deutschlands."

Der Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, sagte: "Philipp Mißfelder hat sich über viele Jahre mit großem Verantwortungsbewusstsein und außenpolitischem Gespür für Israel eingesetzt."

Gysi würdigt Toleranz

Parlamentspräsident Norbert Lammert sagte, das Land verliere einen echten Vollblut-Politiker, der auch gegen Widerstände für eine wertebezogene Politik eintrat. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth (Grüne) würdigte Mißfelder als Abgeordneten mit Leidenschaft für die Sache durch und durch. Linke-Fraktionschef Gregor Gysi sagte: "Er vertrat eine etwas eigene, neue CDU, er zeichnete sich durch Toleranz aus." Mißfelder habe zum Teil erstaunlich vernünftige Ansichten vertreten, so Gysi.

Nach Angaben von Fachverbänden sterben in Deutschland jährlich rund 40.000 Menschen an einer Lungenembolie. Dabei gelangt ein Blutgerinnsel mit dem Blutstrom in die Lunge und führt dort zum Verschluss eines Lungengefäßes.