Die Zahl der Übergriffe auf Flüchtlingsunterkünfte in Deutschland ist einem Bericht zufolge höher als bisher vom Bund angegeben. Eine Recherche von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung bei den Bundesländern ergab, dass etwa 30 Straftaten gegen Asylunterkünfte in der Übersicht des Bundes für 2014 nicht auftauchen. Damit läge die Zahl der Delikte für das Jahr um bis zu 15 Prozent höher. Das Bundesinnenministerium hatte erst vor wenigen Tagen die Zahl der Straftaten gegen Asylunterkünfte im vergangenen Jahr mit 198 angegeben.

Die Übergriffe auf Asylunterkünfte sollen eigentlich bundesweit nach einheitlichen Kriterien erfasst werden. Das Bundeskriminalamt (BKA) richtete zur Sammlung und Auswertung der Informationen eigens eine Clearing-Stelle ein. Auf dieser Grundlage veröffentlichte die Bundesregierung zuletzt quartalsweise auf Anfragen der Linksfraktion eine Übersicht zu den Übergriffen.

NDR, WDR und SZ liegt nach eigenen Angaben eine aktualisierte Liste des BKA mit allen als "politisch motivierte Kriminalität – rechts" eingestuften Straftaten gegen Asylunterkünfte vor. Die BKA-Angaben unterschieden sich jedoch im Fall von elf Bundesländern von den Daten, die aus deren Justiz- und Innenministerien kamen, so der Rechercheverbund.

Das Bundesinnenministerium erklärte dazu, dass sich Abweichungen daraus ergeben haben könnten, "dass Sachverhalte zeitverzögert übermittelt/erfasst oder Einzelsachverhalte nicht dem Unterthema 'gegen Asylunterkünfte‘ zugeordnet wurden". Allerdings war der Stichtag für die Übermittlung der Daten aus dem Jahr 2014 der 31. Januar 2015. Eigentlich sollten sich deshalb keine Unterschiede mehr ergeben haben.

Auch im Vergleich der Zahlen für die ersten drei Monate des Jahres 2015 zeigten sich Unterschiede. Hier listet die Bundesregierung 71 Straftaten auf. In den Antworten, die NDR, WDR und SZ von den Ländern bekommen haben, finden sich jedoch mindestens 25 weitere Übergriffe gegen Flüchtlingsunterkünfte. Hier könnte es aber noch zu nachträglichen Erfassungen von Zahlen kommen, weil einige Länder ihre Daten erst später übermitteln.