Nach dem Sieg des nationalkonservativen Flügels der AfD beim Parteitag in Essen verlässt der frühere Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Olaf Henkel, die Partei. Henkel bestätigte dem ZDF seinen Parteiaustritt, wie der Sender meldete. Zugleich übte er scharfe Kritik an der neuen Parteiführung. Es drohe eine "NPD im Schafspelz", sagte er mit Verweis auf die rechtsextreme Partei. Mit der Wahl von Frauke Petry zur alleinigen Parteisprecherin habe sich die Mehrheit auf dem Essener Parteitag "nicht nur für einen scharfen Rechtskurs, sondern auch für Pöbelei, Protest und das Verbreiten von Vorurteilen entschieden".

Petry hatte sich am Samstag im Machtkampf mit Parteigründer Bernd Lucke durchgesetzt und war mit 60 Prozent der Stimmen gewählt worden. Luckes Anhänger wollen in den kommenden Tagen über einen kollektiven Parteiaustritt entscheiden. Die Europaparlamentarierin Ulrike Trebesius sagte, man werde die Mitglieder des Vereins Weckruf 2015 in den nächsten Tagen fragen, "ob wir gemeinsam austreten sollen aus der AfD". Weitere Alternativen wären die Gründung einer neuen, eigenen Partei "oder wir gehen in der AfD in den Winterschlaf".

Petry bemühte sich am Sonntagabend in ihrer Schlussrede vor den noch verbliebenen Teilnehmern des Parteitages in Essen, den teilweise ausländerfeindlichen Äußerungen von einigen ihrer Anhänger die Spitze zu nehmen. Sie sagte: "Lassen Sie uns sachlich bleiben bei der Steuer- und Einwanderungspolitik." Trebesius, die Vorsitzende des im Mai gegründeten Weckruf-Vereins, kommentierte diese beschwichtigenden Worte mit dem Satz: "Wer sich mit den Rechten ins Bett legt, darf sich nicht wundern, wenn er mit ihnen aufwacht."