Eigentlich müsste Deutschland das Land der engagierten Papas sein. 52 Prozent aller Väter würden nämlich gerne die Hälfte der Kinderbetreuung übernehmen. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach, die Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) am Dienstag in Berlin vorstellte. Die ernüchternde Botschaft kommt allerdings gleich hinterher: Nur 18 Prozent können das auch realisieren.  

"Der Wunsch, sich stärker um die Kinder zu kümmern, ist vor allem bei der jungen Vätergeneration sehr ausgeprägt", betonte Allensbach-Chefin Renate Köcher. Doch häufig bleibt es eben beim Wunsch. Einer der Gründe: Väter wollen zwar für ihre Kinder da sein, doch sie sind nicht bereit, die Nachteile, die Frauen dafür in Kauf nehmen, zu akzeptieren. So gab fast jeder fünfte Vater an, dass er gerne in Elternzeit gegangen wäre, dann aber darauf verzichtet habe, weil er Angst vor Einkommensverlusten und beruflichen Nachteilen hatte.  


Hoffnung macht da vielleicht eine andere Zahl: Nur fünf Prozent gaben an, sie hätten deswegen auf Elternzeit verzichtet, weil es nach wie vor sehr ungewöhnlich sei, dass Männer zur Kinderbetreuung länger aus dem Beruf aussteigen. Der Bewusstseinswandel ist also da, auch wenn die Wirklichkeit dem noch hinterherhinkt.  

Hausfrauen-Ehe auf dem Rückzug

Denn noch immer sind es in der weit überwiegenden Zahl der Fälle die Mütter, die nach der Geburt eines Kindes kürzer treten. Daran hat weder der Kita-Ausbau der vergangenen Jahre noch die steigende Erwerbstätigkeit von Frauen etwas verändert. Zwar scheint das Modell der Hausfrauenehe auf dem Rückzug zu sein, doch es wurde nicht durch eine echte partnerschaftliche Arbeitsteilung ersetzt – obwohl sich das 47 Prozent aller Eltern wünschen würden.

Stattdessen arbeiten in 55 Prozent der Familien Frauen Teilzeit und die Männer Vollzeit. Vor allem für viele Frauen handelt es sich dabei nicht um ein Übergangsmodell, sondern um eine dauerhafte Lebensentscheidung, wie Köcher betonte. Unter allen über-30-jährigen Frauen sind die Vollzeit-Erwerbstätigen nur eine Minderheit. Die Folgen sind bekannt: Wer Teilzeit arbeitet, hat schlechtere Karrierechancen und bekommt später weniger Rente.

Ein anderer Befund der Studie dürfte dagegen vor allem für konservative Familienpolitiker interessant sein: Der Wunsch, dass beide Partner erwerbstätig sein können, gilt nämlich nicht ohne Einschränkung. Eine Mehrheit von 52 Prozent findet vielmehr, dass ein- und zweijährige Kinder besser von der Mutter betreut werden sollten.