Bundespräsident Joachim Gauck hat die jüngsten Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte als widerwärtig und unerträglich kritisiert. Bei einer Rede zur Eröffnung einer Konferenz über den "Zusammenhalt in Deutschland" in Berlin wich der Bundespräsident damit von seinem Redemanuskript ab.

Gauck rief zunächst "alle, die wir diesen demokratischen, freiheitlichen Staat für verteidigenswert halten," dazu auf, "den Zusammenhalt unserer Bürger in eben diesem Geist zu fördern". Er fügte hinzu, dass sich "fremdenfeindliche Haltungen festsetzen, manche Menschen nicht einmal mehr vor Übergriffen zurückschrecken". Abweichend von seinem Redetext sagte er dann: "Ich denke an diesem Punkt an das, was wir kürzlich wieder erlebt haben mit diesen widerwärtigen Angriffen auf Flüchtlingsheime. Das ist unerträglich."

Die sächsische Polizei zählte laut einem Bericht von MDR info in diesem Jahr bereits mehr als 50 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte. In Meißen hatten Unbekannte vor eineinhalb Wochen Feuer in einer noch unbewohnten Unterkunft für Flüchtlinge gelegt.

Zudem protestierten Ausländerfeinde vor einer Asylunterkunft im sächsischen Freital. Seit Monaten machen dort selbst ernannte Bürgerwehren und Rechte Stimmung gegen Flüchtlinge. Auf einer Bürgerversammlung, auf der Vertreter von Stadt und Land zum Thema Asyl informieren wollten, war es am Montagabend zu erheblichen Tumulten und Anfeindungen gekommen.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat sich erst jetzt zu den Vorkommnissen in seinem Bundesland geäußert. In einer Regierungserklärung verurteilte er Hass und Gewalt gegen Asylbewerber. "Rassismus ist eine Schande. Rassismus ist der Nährboden für Verbrechen", sagte er im sächsischen Landtag. Jeder Bürger müsse dem entschieden entgegentreten. "Keiner darf wegsehen."

Tillich sagte, es gehe um Menschen, die vor Krieg und Katastrophen geflüchtet seien, die von einem besseren Leben träumten und in Deutschland Schutz suchten. "Sie alle müssen bei uns gut aufgenommen werden", sagte er. Jeder habe Anspruch auf ein faires Asylverfahren.

Der Ministerpräsident forderte zugleich, die Fragen und Sorgen der Bürger ernst zu nehmen. Man müsse im Dialog bleiben, um politische Entscheidungen zum Thema Asyl zu erklären. Es gebe in den Kommunen "unzählige Beispiele", wo die Aufnahme von Asylbewerbern gut gelinge.

Tillich verwies auch auf die Chancen der Integration. "Wenn Integration richtig gemacht wird, ist die eine enorme Bereicherung und Chance für unser Land." Dies sei auch für die weitere wirtschaftliche Entwicklung wichtig.

Tillich hatte im Hinblick auf die Integration und die Akzeptanz von Minderheiten aber auch andere Signale gesendet. Erst zu Jahresbeginn hatte er gesagt, dass er den Islam nicht als zu Deutschland gehörig ansieht. Der frühere Bundespräsident Christian Wulff hatte sich hingegen in einer viel beachteten Rede dazu bekannt, dass der Islam zu Deutschland gehöre.

Freital - "Natürlich hat das etwas mit Rassismus zu tun" Im Juni 2015 protestieren im sächsischen Freital Gegner des Asylbewerberheims lautstark und teilweise gewaltsam. Befürworter demonstrieren ebenfalls. Polizisten trennen die Seiten. Doch wie soll das weitergehen?