Darf man einem anderen dabei helfen, sich umzubringen und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Nach monatelanger Vorbereitungszeit werden am heutigen Donnerstag im Bundestag erstmals konkrete Gesetzentwürfe diskutiert, die sich mit dieser Frage befassen.

Derzeit ist es in Deutschland so: Verboten ist die aktive Sterbehilfe, also die Tötung auf Verlangen. Erlaubt ist dagegen, einen schwerstkranken Menschen sterben zu lassen, indem man auf weitere Therapien verzichtet, die sogenannte passive Sterbehilfe. An beidem soll sich auch in Zukunft nichts ändern.

Neu geregelt werden soll allerdings die Beihilfe zum Suizid. Bisher darf jeder einen Menschen, der sterben will, dabei unterstützen – zum Beispiel indem er für ihn ein entsprechendes Medikament besorgt. Entscheidend ist allerdings, dass der Sterbewillige dieses dann selbstständig einnimmt. Viele Abgeordnete empfinden den jetzigen Zustand aber als zu lax, weil so zum Beispiel Sterbehilfevereine entstehen konnten. Andere wünschen sich dagegen mehr Hilfe für schwerstkranke Menschen, die ihr Leben beenden wollen – auch durch Ärzte.

Diese unterschiedlichen Vorstellungen sind nun in insgesamt vier Gesetzentwürfe eingeflossen. Die Gruppen, die sie erarbeitet haben, setzen sich aus Abgeordneten ganz unterschiedlicher Fraktionen zusammen. Der Fraktionszwang wurde aufgehoben. In dieser schwierigen Frage soll jeder Abgeordnete nur seinem Gewissen folgen dürfen. Ein Überblick über die vier Entwürfe:

Keine Beförderung in den Tod

Den radikalsten Entwurf haben zwei CDU-Politiker vorgelegt. Patrick Sensburg und Thomas Dörflinger wollen die Beihilfe zum Suizid künftig grundsätzlich verbieten. "Wer einen anderen anstiftet, sich selbst zu töten, oder ihm dazu Hilfe leistet, wird mit Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren bestraft", heißt es in ihrem Entwurf. Ausnahmen etwa für nahe Angehörige oder Ärzte sind nicht vorgesehen. Die Autoren weisen lediglich darauf hin, dass "in extremen Einzelsituationen, bei denen zum Beispiel keine Schmerztherapie hilft und großes Leiden besteht", von Strafe abgesehen werden könne.  

Man wolle, schreiben die CDU-Politiker, "eine Begleitung in den Tod fördern und nicht eine Beförderung in den Tod".

Ihr zentrales Anliegen ist, zu verhindern, dass Menschen sich gedrängt fühlen könnten, sich für den Tod zu entscheiden, um Angehörigen und der Gesellschaft nicht zur Last zu fallen. Dieser Druck könnte wachsen, je normaler die Beihilfe zum Suizid werde, fürchten sie.

Der Entwurf hat bisher 35 Unterstützer, alle aus der Unionsfraktion.

Keine organisierte Sterbehilfe

Eine restriktivere Regelung für die Beihilfe zum Suizid als bisher wünscht sich auch eine Gruppe um die Abgeordneten Michael Brand (CDU), Michael Frieser (CSU), Kerstin Griese (SPD), Harald Terpe (Grüne) und Kathrin Vogler (Linke). Ein generelles Verbot lehnen diese Parlamentarier allerdings ab.

Ihnen geht es vielmehr darum, alle Formen von organisierter und wiederholter Hilfe bei der Selbsttötung, die sogenannte geschäftsmäßige Suizidbeihilfe, zu verbieten. Vor Augen haben sie dabei vor allem Sterbehilfevereine wie den des früheren Hamburger Justizsenators Roger Kusch oder Sterbehelfer wie den Berliner Arzt Uwe-Christian Arnold, der sich offen zu seiner Tätigkeit bekennt. Ihnen wird mit einer Gefängnisstrafe von bis zu drei Jahren gedroht. "Der assistierte Suizid darf keine normale Dienstleistung werden", argumentiert diese Gruppe.  

Nicht bestraft werden sollen aber Freunde oder Angehörige eines Sterbewilligen, wenn sie diesen dabei unterstützen, ein solches organisiertes Angebot anzunehmen, zum Beispiel indem sie ihn zum Sterben ins Ausland begleiten. Grundsätzlich könnte auch weiterhin jeder wie bisher Suizidbeihilfe leisten – vorausgesetzt eben, er tut es nicht organisiert und wiederholt.

Ein Problem wäre ein solches Gesetz sicher für Ärzte, die viele schwerstkranke Patienten betreuen. Sie können natürlich häufiger in die Lage kommen, dass ein Patient sie bittet, ihm ein tödliches Medikament zu besorgen. Allerdings leisten viele Mediziner auch heute keine Suizidbeihilfe, obwohl sie dazu vielleicht bereit wären, weil ihnen das ihr ärztliches Standesrecht verbietet.

Die Initiatoren sehen ihren Entwurf als Mittelweg zwischen einem Totalverbot und einer weiteren Liberalisierung.

Tatsächlich haben sie mit 210 Abgeordneten bisher die meisten Unterstützer. Auch prominente Unionspolitiker wie Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) haben sich für diese Regelung ausgesprochen. Viel Unterstützung gibt es zudem aus der Gesellschaft, so zum Beispiel von der katholischen und der evangelischen Kirche.