Ein Ende des Bundeswehreinsatzes zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer ist nach Einschätzung von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) nicht absehbar. "Wir brauchen einen langen Atem", sagte sie während eines Besuchs der Fregatte Schleswig-Holstein, die vor der Küste Siziliens Flüchtlinge rettet.

Europa dürfe eine "humanitäre Katastrophe" nicht zulassen. Die EU-Partner forderte von der Leyen auf, die Lasten des Flüchtlingsdramas fair zu verteilen. Es gehe darum, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Neben der unmittelbaren Rettung gehe es auch darum, Schleuserbanden und Fluchtursachen zu bekämpfen, sagte die Ministerin. "Es ist mit Seenotrettung alleine nicht getan." Der Rettungseinsatz der Marine auf See sei auch dazu da, "dass er der Politik Zeit schafft, um die nötigen politischen Maßnahmen zu ergreifen".

Anfang Mai hatte sie zwei Schiffe der Bundeswehr ins Mittelmeer geschickt, die Schleswig-Holstein und die Werra. Die Marine rettete seitdem fast 5.700 Menschen. Seit vergangenem Dienstag sind die Soldaten Teil der EU-Mission EUNAVFOR MED. Dabei sollen die Infrastrukturen der Schleuser zerstört werden, die Flüchtlinge über das Mittelmeer transportieren.

Viele Schlepper beginnen ihre Überfahrt in Libyen. Um in den Hoheitsgewässern des Landes handeln zu können, würde die EU-Mission ein Mandat der UN benötigen oder die libysche Regierung müsste dem zustimmen. Die von der EU anerkannte Regierung in Tobruk sowie die islamistische Regierung in Tripolis wollen aber dem Einsatz nicht zustimmen.

Aus diesem Grund sollen die Schiffe Daten darüber sammeln, welche Routen die Menschenschmuggler nutzen. In den Phasen zwei und drei ist geplant, die Schiffer der Schleuser zu beschlagnahmen und zu zerstören.

Nach Einschätzung der Vereinten Nationen wird die Zahl der Flüchtlinge weiter zunehmen, die Europa über das Mittelmeer erreichen. Im ersten Halbjahr 2015 waren es 137.000. Das seien 62.000 Menschen mehr als im Vorjahreszeitraum gewesen, teilte das UN-Flüchtlingswerk UNHCR in der vergangenen Woche mit.