Der US-Geheimdienst NSA hat offenbar Außenminister Frank-Walter Steinmeier systematisch ausgespäht. Das berichtet sueddeutsche.de unter Berufung auf neue WikiLeaks-Dokumente. Die Agenten hätten mehrere Telefonnummern überwacht, die sie Steinmeier zugeordnet hätten, darunter seine Handynummer.

Insgesamt seien 20 Anschlüsse des Auswärtigen Amtes jahrelang abgehört worden. Die Süddeutsche Zeitung hatte zusammen mit dem NDR und dem WDR Zugang zu den WikiLeaks-Dokumenten vor ihrer Veröffentlichung.  

In den vergangenen Wochen hatte WikiLeaks bereits andere Dokumente zur NSA-Überwachung veröffentlicht. Diese hatten vor allem die Überwachung von Kanzleramt, Finanzministerium und Landwirtschaftsministerium zum Thema.

In den nun veröffentlichten WikiLeaks-Dokumenten befindet sich laut sueddeutsche.de etwa das Protokoll eines belauschten Telefonats, das Steinmeier im November 2005, kurz nach seiner erstmaligen Ernennung zum Außenminister, geführt haben soll. Mit wem er telefoniert habe, sei unklar.  

Steinmeier habe in dem Telefonat über CIA-Entführungsflüge und -Geheimgefängnisse gesprochen. Es werde der Eindruck erweckt, dass der Außenminister zufrieden damit sei, von den USA zu dem Thema keine klaren Antworten bekommen zu haben. "Er schien erleichtert", stehe in dem Protokoll.

Möglicherweise auch Joschka Fischers Telefon

Laut den WikiLeaks-Dokumenten sei auch ein Anschluss abgehört worden, der mit "Fischer" benannt worden sei, berichtet sueddeutsche.de. Möglicherweise sei also auch Joschka Fischer, Außenminister von 1998 bis 2005, überwacht worden. Fischer habe sich gegenüber der Süddeutschen nicht zu dem Thema äußern wollen. 

Zudem listet die Zeitung die Namen von mehreren Referenten und anderen Diplomaten des Außenministeriums auf, die offenbar von NSA-Agenten belauscht worden seien. Darunter etwa ein Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Washington und der deutsche Botschafter in Argentinien.