Das Bundesinnenministerium hat das Bundeskriminalamt (BKA) angewiesen, sämtliche Angriffe auf Asylbewerberunterkünfte im Jahr 2015 gesondert zu erfassen. Der entsprechende Auftrag ist nach Informationen der Welt am Sonntag (WamS) zu Beginn der Woche erteilt worden. Demnach sollen in den polizeilichen Meldungen künftig Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte als eigenes Themenfeld aufgelistet werden, um so einen bundesweiten Überblick zu erhalten.

Das BKA habe für das laufende Jahr bereits 335 rechtsextremistisch motivierte Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte registriert, berichtet die Zeitung. Damit habe sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr bereits verdoppelt. Alleine im Juli und August dieses Jahres seien 131 Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte vermerkt worden.

Auch der Verfassungsschutz arbeitet den Informationen zufolge an einer umfassenden Analyse von rechtsextremistischen Straftaten gegen Asylbewerber. So habe das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Anfang August Aufträge für "Sonderauswertungen" und Fragebögen zu rechtsextremistischen Anti-Asyl-Aktivitäten an die Verfassungsschutzbehörden der Länder geschickt. Das berichtet neben der WamS auch der Spiegel.

In dem dreiseitigen Fragebogen des BfV sollen die Landesbehörden alle Übergriffe auf Asylbewerber und Asylbewerberunterkünfte, Demonstrationen und Proteste auflisten. Zu erfassen sind dabei auch die Anmelder von Demonstrationen, die Redner und der Inhalt der Reden bei Anti-Asyl-Kundgebungen. Hintergrund ist den Informationen zufolge die Befürchtung, dass ein neuer organisierter Rechtsterrorismus entstehen könnte. "Wenn solche Zellen entstehen, wird es richtig gefährlich", zitiert der Spiegel einen hohen Sicherheitsbeamten. Das sei momentan eine große Sorge.