Die veralteten Drohnen vom Typ KZO, hier ein Archivbild, sollen ersetzt werden. © Peter Steffen/dpa

Mindestens zwölf Stunden sollen sie in der Luft bleiben und zehn Stunden am Stück den militärischen Gegner ausspionieren können. So wünscht sich die Bundeswehr ihre neuen Drohnen für das Heer. Das geht aus internen Unterlagen des Verteidigungsministeriums hervor, die ZEIT und ZEIT ONLINE einsehen konnten.

Die Bundeswehr will so schnell wie möglich ein neues Drohnenprogramm auflegen, schon 2018 sollen die ersten unbemannten Maschinen starten, wie die Bundesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Linkspartei schreibt. Denn 2020 erreichen die sogenannten Kleindrohnen Luna und KZO, die bisher zum Beispiel der Artillerie bei der Suche nach Zielen helfen, das Ende ihrer geplanten Nutzungsdauer. Rechtzeitig vorher sollen die Nachfolger fertig sein und im Bereich von bis zu 100 Kilometern Entfernung die neuen fliegenden Augen des Heeres werden. Das bisher unbekannte Drohnenprogramm nennt sich Husar, die Abkürzung steht für "Hocheffizientes Unbemanntes System zur Aufklärung mittlerer Reichweite".

Die neuen Drohnen, deren Anforderungen gerade erforscht und definiert werden, sollen zusätzlich zu den bisher in Auftrag gegebenen fünf Euro Hawks und 16 geplanten bewaffnungsfähigen Drohnen beschafft werden. Der Euro Hawk ist in der Strategie der Bundeswehr das System für große Höhen und große Reichweiten, theoretisch kann er, von Deutschland aus gesteuert, weltweit eingesetzt werden, um Funkverkehr zu belauschen oder zu stören. Bislang gibt es nur ein Exemplar, und das darf wegen Schwierigkeiten bei der Zulassung für den deutschen Luftraum nicht fliegen. Trotzdem plant die Bundeswehr, das Programm fortzusetzen.

Die bewaffneten Drohnen fliegen dagegen in mittlerer Höhe und Reichweite, die englische Abkürzung dafür ist Male. Noch hat sich das Verteidigungsministerium nicht entschieden, welche Male-Drohnen letztlich beschafft werden sollen. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will zusammen mit Frankreich eine eigene bewaffnete Drohne entwickeln lassen, statt fertige zu kaufen.

Diese Idee ist umstritten, gilt sie doch als der teuerste und langwierigste Weg, der nicht einmal die Garantie bietet, dass die Bundeswehr dadurch wirklich bekommt, was sie benötigt. Dabei gibt es gerade bei diesem Drohnentyp diverse funktionierende Modelle. In der Bundeswehr favorisiert man, die Heron TP in Israel zu kaufen, den Nachfolger der Heron-Drohne, die jetzt schon für das Heer fliegt. Der Grund für die von von der Leyen gewünschte mühsame Eigenentwicklung? Wohl Wirtschaftsförderung.

Diesen Weg geht das Ministerium nun möglicherweise auch bei den Drohnen für den Nahbereich. Zumindest geht aus der Antwort der Bundesregierung hervor, dass die bisher in Auftrag gegebenen Studien sich eher mit einer Neuentwicklung beschäftigen als mit der Anpassung bestehender Drohnentypen an die Wünsche der Bundeswehr.

Acht Millionen Euro für Studien

Allein für diese Studien hat das Verteidigungsministerium bereits fünf Aufträge im Gesamtwert von fast acht Millionen Euro vergeben. Den größten Anteil erhielt die Industrieanlagen-Betriebsgesellschaft (IABG) aus Ottobrunn bei München. Die Firma, die ursprünglich vom Verteidigungsministerium gegründet wurde, inzwischen aber in privater Hand ist, soll unter anderem ein Datenlinksystem untersuchen. Mit der Konzeption einer Bodenkontrollstation wurde das Unternehmen ESG Elektroniksystem- und Logistik aus Fürstenfeldbruck bei München beauftragt. Bis Juli 2015 waren an ESG die Rüstungskonzerne Airbus und Northrop Grumman beteiligt – die beide Drohnen entwickeln und verkaufen. Erst vor wenigen Wochen hatten sie ihre Gesellschafteranteile an anonyme "Unternehmerfamilien aus dem deutschsprachigen Raum" verkauft, wie die Firma mitteilt.

"Drohnen werden auf diese Weise zum Fürsorgeprogramm in Milliardenhöhe für die Rüstungsindustrie", sagt Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei. Er vermutet, dass die Aufträge für die neuen Husar-Drohnen in dreistelliger Millionenhöhe an deutsche Firmen gehen werden.

Das Gleiche deutet sich bei einem weiteren Drohnenprogramm an. Denn nicht nur das Heer, auch die Marine will unbemannte Überwachungsflieger für kurze Entfernungen. Die Korvetten des Typs K130 sollen eigene Drohnen erhalten. Ursprünglich waren dazu unbemannte Kamerakopter des österreichischen Herstellers Schiebel vorgesehen. Der Plan wurde jedoch 2014 wegen Problemen bei der Zulassung gestrichen.

Die Antwort der Bundesregierung weicht der Frage aus, ob bereits existierende Drohnen beschafft oder ob neue entwickelt werden sollen. Die Firma IABG habe eine Studie zu den Anforderungen erstellt, die Auswahl treffe der Generalinspekteur der Bundeswehr, heißt es. Doch wird gleichzeitig nahegelegt, dass es keine fertige Drohne gebe, die den Wünschen der Marine entspräche. Man habe lediglich "verschiedene Systeme identifiziert", welche das "Potenzial" hätten, zumindest, wenn sie den Wünschen angepasst würden.

Der Linken-Abgeordnete Hunko kritisiert, dass die Beschaffungspläne für die Drohnen des Heeres bislang nicht den Abgeordneten des Bundestages dargelegt wurden. "Diese Heimlichtuerei ist nicht hinnehmbar", sagt er. Das Verteidigungsministerium bleibt auch in diesem Punkt vage. "Die parlamentarische Behandlung erfolgt anlassbezogen und nach Abschluss der Vertragsverhandlungen", heißt es in der Antwort.

Wie Kampfdrohnen aus der ferne angreifen, fasst das Video kurz zusammen.

Kurz erklärt - Wie Kampfdrohnen aus der Ferne angreifen Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 haben die USA mit Drohnenangriffen in Afghanistan begonnen. Wie Kampfdrohnen funktionieren, erklärt dieses Video.