In Deutschland werden 2015 mehr Flüchtlinge ankommen als in den Jahren zuvor. Eine entsprechende neue Prognose  hat Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) vorgelegt. Demnach werden 2015 etwa 800.000 Menschen in Deutschland Schutz suchen. Das zuständige Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) war bislang von etwa 450.000 Flüchtlingen bis zum Jahresende ausgegangen.

"Das ist eine Herausforderung für uns alle", sagte de Maizière. Überfordert sei Deutschland von dieser Entwicklung nicht. Er wies darauf hin, dass sich Deutschland "für einige Jahre" auf hohe Flüchtlingszahlen einstellen müsse. "Jeder Flüchtling, der nach Deutschland kommt, muss würdig, sicher und anständig aufgenommen werden."

Nach Angaben des Ministeriums ist der deutliche Anstieg vor allem auf ein "dramatisches Plus" im Juni und Juli zurückzuführen. Allein im Juli seien nahezu 83.000 Menschen nach Deutschland eingereist. Die Zahlen für August würden vermutlich noch darüber liegen, heißt es in einer Mitteilung des Innenministeriums

Verzögerte Registrierung von Zugängen

Hinzu kommt, dass für die Prognose nicht mehr nur die gestellten Asylanträge gezählt werden, sondern die deutlich darüber liegenden tatsächlichen Zugänge. Die Differenz dieser beiden Statistiken kommt laut Innenministerium dadurch zustande, dass viele Asylsuchende bereits vor der Asylbeantragung beim Bamf von den Ländern an die Kommunen weitergeleitet werden, sodass eine Asylantragstellung teilweise erst mit einer "erheblichen Zeitverzögerung" erfolgt. Nach Berechnungen des Bamf ist derzeit von rund 100.000 Personen auszugehen, die sich bereits in Deutschland befinden und erst noch beabsichtigen, einen Asylantrag zu stellen. 

Die deutschen Behörden hatten 1992 mit etwa 440.000 Asylanträgen den bisherigen Höchststand gezählt. Danach gingen die Zahlen, auch wegen verschärfter Gesetze, stark zurück – bis auf etwa 30.000 Asylanträge in den Jahren 2006 bis 2009. Seitdem stiegen die Zahlen angesichts vieler internationaler Krisen aber wieder. 2014 kamen mehr als 200.000 Flüchtlinge nach Deutschland.

Allein in den ersten sieben Monaten dieses Jahres beantragten laut den Zahlen bislang 218.221 Menschen Asyl in Deutschland. Im Vergleich zu den ersten sieben Monaten 2014 entspricht dies einem Zuwachs von 124,8 Prozent.

Die meisten Menschen kamen aus dem Bürgerkriegsland Syrien. Ihre Zahl lag mit 44.417 Personen gut 2,5-mal so hoch wie Mitte 2014. 33.000 und damit mehr als elf Mal so viele Menschen wie vor einem Jahr stammten aus dem Kosovo. Stark gestiegen sind auch die Einreisen von Flüchtlingen aus dem Irak und Afghanistan. Unter die zehn Hauptherkunftsländer fallen zudem Eritrea und Pakistan. Auch die Flüchtlingszahlen aus Albanien und Serbien nahmen deutlich zu, allerdings werden Asylbewerber aus diesen Ländern fast durchweg nicht anerkannt.

Mehrere Bundesländer fordern mehr Unterstützung des Bundes bei der Unterbringung von Flüchtlingen an. Berlins Sozialsenator Mario Czaja (CDU) forderte den Bund auf, selbst Erstaufnahmeeinrichtungen zu betreiben. Auch die Rückführung abgelehnter Asylbewerber könnte so schneller erfolgen. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) sagte Spiegel Online: "Der Bund muss jetzt sehr schnell sagen, wie er sich dauerhaft und strukturell an den Kosten für die Betreuung der Flüchtlinge beteiligen wird. Wir haben keine Zeit mehr, noch Monate zu diskutieren." Zudem müssten die Asylverfahren beschleunigt werden.

Welchen Schwierigkeiten Flüchtlinge an der mazedonischen Grenzstadt Gevgelija ausgesetzt sind, zeigt dieses Video:

Gevgelija - Mazedonien setzt Spezialzüge für Flüchtlinge ein Tausende Migranten aus Syrien, dem Irak und Afghanistan kommen täglich in die mazedonische Grenzstadt Gevgelija. Von dort wollen sie mit dem Zug in den Schengen-Raum gelangen.