Im Saarland ist soweit alles ruhig. In Bremen auch. Aus Deutschlands kleinsten Bundesländern wurden in diesem Jahr keine Übergriffe gegen Flüchtlinge gemeldet. Doch das ist die Ausnahme: In allen anderen deutschen Bundesländern kam es in den vergangenen Wochen zu Gewalt und Angriffen gegen Asylsuchende.

Körperverletzung, Pöbeleien, Brandstiftung, ausländerfeindliche Demonstrationen – bis zu 500 Vorfälle mit möglicherweise fremdenfeindlichem Hintergrund zählen Polizei und Flüchtlingsorganisationen in den ersten acht Monaten dieses Jahres – deutlich mehr als in den Vorjahren. Eine traurige Bilanz.

Seit Jahren protokollieren Mitarbeiter der Amadeu Antonio Stiftung aus Berlin Angriffe gegen Migranten und Flüchtlinge anhand von Polizeimeldungen und Nachrichten in Lokalzeitungen sowie Berichten von Flüchtlingsorganisationen. Ein Blick auf die Zahlen zeigt: Im Osten kommt es besonders häufig zu Fällen von Körperverletzung gegen Asylsuchende. Im Süden und im Westen der Bundesrepublik verzeichnet die Polizei besonders viele Fälle von Brandstiftungen gegen Flüchtlingsunterkünfte. Allein in Bayern und Baden-Württemberg wurden bereits zehn Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte verübt.

In Berlin, Brandenburg und Nordrhein-Westfalen hingegen gibt es die meisten Demos gegen die Unterbringung von Flüchtlingen. Allein in der Hauptstadt organisierten Asylgegner in diesem Jahr bereits 20 Demonstrationen und Kundgebungen.

Brandanschläge und körperliche Gewalt

Auf dieser Karte sind alle tätlichen Übergriffe und Körperverletzungen verzeichnet, die 2015 stattfanden (blau), sowie Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte (rot).

Am besorgniserregendsten ist die Lage für Flüchtlinge laut der Amadeu Antonio Stiftung in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden: Dort kam es seit Beginn des Jahres 17 Mal zu gewalttätigen Übergriffen gegen Flüchtlinge, Anfang Januar brannte eine Flüchtlingsunterkunft.

Meistens kommt es jedoch in ländlichen Regionen zur Gewalt gegen Ausländer: Alle zehn Brandanschläge in Bayern und Baden-Württemberg fanden in kleinen Dörfern statt – der Ort Balingen im Schwarzwald ist mit knapp 35.000 Einwohner der größte. Aber auch in anderen Regionen Deutschlands sind es meist die kleinen Orte, aus denen Angriffe gegen Asylsuchende gemeldet werden – wie unsere Karte zeigt.