Die Skepsis ist noch immer groß: Auch wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble derzeit alles tun, um die Unionsabgeordneten zu einer Zustimmung zu dem dritten Hilfspaket für Griechenland zu bewegen, haben bereits mehrere Abweichler erklärt, am Mittwoch im Bundestag erneut mit Nein stimmen zu wollen.

Schon als der Bundestag im Juli Schäuble ein Mandat erteilen musste, über dieses Paket überhaupt zu verhandeln, hatten 60 Parlamentarier von CDU und CSU das abgelehnt und damit gegen die Linie ihrer eigenen Fraktion gestimmt. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass zumindest diese Abgeordneten erneut mit Nein stimmen werden. Zumal viele sauer darüber sind, dass Fraktionschef Volker Kauder zuletzt versucht hatte, den Druck auf sie zu erhöhen. 

Doch wer sind die Nein-Sager? ZEIT ONLINE stellt die Abgeordneten in Grafiken vor. 

Die Revolution kommt aus der zweiten Reihe. Denn nicht Minister und Staatssekretäre verweigerten den Verhandlungen über ein drittes Hilfspaket ihre Zustimmung. Es waren vielmehr überwiegend einfache Abgeordnete der Union. Altgediente Parlamentarier sind eher selten unter ihnen. Fast zwei Drittel gehören dem Bundestag vielmehr erst seit maximal drei Legislaturperioden an.

Typische Vertreter dieser Gruppe sind die Wirtschaftspolitiker Carsten Linnemann (38) und Christian von Stetten (45). Beide sind jung und ambitioniert, waren einer breiteren Öffentlichkeit bislang aber eher unbekannt. Bis auf wenige Ausnahmen wie dem ehemaligen Verkehrsminister Peter Ramsauer oder der Vertriebenen-Patronin Erika Steinbach geht es vielen ihrer Abweichler-Kollegen da ähnlich.

In zahlreichen Interviews erklärten Linnemann und von Stetten während der vergangenen Wochen immer wieder, warum sie bei der Abstimmung am Mittwoch gegen die Linie ihrer Fraktion stimmen wollen: In ihren Augen ist die Griechenland-Rettung ein Fass ohne Boden, das Geld würden Deutschland und die anderen europäischen Gläubiger nie wiedersehen.                   

Mit ihrer Argumentation, aber auch mit Blick auf Alter, Erfahrung und Beruf stehen die beiden Nein-Sager gewissermaßen exemplarisch für die Abweichler der Union: Linnemann ist Volkswirt, er sitzt der Mittelstands- und Wirtschaftsverteidigung seiner Partei vor. Der Betriebswirt Stetten ist Vorsitzender des Parlamentskreises Mittelstand, dem mehr als die Hälfte seiner Unionskollegen im Bundestag angehören. Auch unter den Abweichlern insgesamt stellten Rechtsanwälte und Volkswirte die größte Gruppe. Zwar sind diese Berufsgruppen in der Union traditionell stark vertreten, unter den Abweichlern sind sie dennoch überrepräsentiert.

Ein Blick auf die Herkunftsregionen der Nein-Sager zeigt: Besonders viele Abweichler kommen aus Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und den neuen Bundesländern. Zwar sind die CDU-Landesverbände in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ohnehin besonders stark. Doch sind die Abgeordneten aus Baden-Württemberg und den ostdeutschen Bundesländern in der Gruppe der Abweichler deutlich überrepräsentiert. Die Länder im Norden Deutschlands sind hingegen kaum vertreten. Auch sind unter den Unionsrebellen besonders viele Männer – ihr Anteil liegt deutlich über dem Männer-Anteil in der Bundestagsfraktion.

Die Drohung des Fraktionschefs Volker Kauder, den Abweichlern künftig einen Sitz im Europa- und im Haushaltsausschuss zu verwehren, um die Abstimmungsmehrheit in den wichtigen Ausschüssen zu sichern, betrifft insgesamt zehn der potenziellen Nein-Sager.

Wie sieht er also aus, der Abweichler, der den Kurs von Kanzlerin Angela Merkel bei der Abstimmung am Mittwoch gefährden könnte? Er ist männlich, hat nur eine geringe Erfahrung als Abgeordneter im Bundestag und arbeitet neben seiner Tätigkeit im Parlament vornehmlich als Jurist oder Volkswirt. Der Öffentlichkeit ist er bislang eher unbekannt. Sein Heimatwahlkreis liegt in Baden-Württemberg oder einem der neuen Bundesländer.