Es war im März dieses Jahres, und BfV-Präsident Hans-Georg Maaßen war bereits Kummer gewöhnt. Bereits ein Jahr zuvor hatten Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR über eine neue Internet-Kampftruppe seines Amts berichtet, die Maaßen eigentlich geheim halten wollte. Jetzt kamen noch die Onlinejournalisten von netzpolitik.org hinzu und stellten die vertraulichen Originaldokumente mit dem vollständigen Inhalt online. Das hatte für Maaßen eine neue Qualität. So begann die Affäre Landesverrat.
Hier würden nicht nur einzelne Zitate aus vertraulichen Papieren verwendet, soll sich Maaßen bei internen Besprechungen empört haben, hier gehe es auch nicht mehr vorrangig um journalistische Aufklärung, sondern würden interne Dokumente wie Jagdtrophäen präsentiert, nach dem Motto: Schaut mal her, welch exquisite Geheimpapiere wir erbeutet haben!
Also tat Maaßen, was ein Amtschef in solchen Fällen tut: Er setzte sich gegen die Veröffentlichungen zur Wehr und informierte darüber auch vorschriftsgemäß seinen Dienstherrn, das Bundesinnenministerium. Staatssekretärin Emily Haber nahm es zur Kenntnis und blieb wie alle anderen in ihrer Behörde auch später weitgehend unbeteiligt, als bekannt wurde, dass der Generalbundesanwalt wegen Landesverrats ermittelte.
Auch wenn Maaßen nichts Unrechtes tat, drängt sich die Frage auf: Warum räumte er nicht zunächst in seiner Behörde auf und rückte den undichten Stellen auf den Leib? Warum stellte er gleich zwei Strafanzeigen, die eine am 25. März und die andere, nach Bekanntwerden des zweiten Blog-Beitrags, am 16. April? Der Verdacht liegt nahe, dass Maaßen auch die Blogger ins Visier nehmen wollte.
Von Landesverrat, jener Strafvorschrift, mit denen man auch Journalisten packen kann, war jedoch damals in den Anzeigen keine Rede. Sie richteten sich lediglich gegen unbekannt, mit der Bitte, in jede rechtliche Richtung zu ermitteln. Zwar tauchten dort namentlich die beiden Blogger Markus Beckedahl und André Meister auf, allerdings nur als Betreiber des Blogs beziehungsweise als Autor. Derartige Namensnennungen sind in einer Anzeige nicht unüblich, gehören sie doch zur Darstellung des Sachverhalts.
Den Verdacht des Landesverrats erwähnte also nicht Maaßen, sondern zum ersten Mal das Kommissariat 524 des Berliner Landeskriminalamts (LKA). Also jene Staatsschutzabteilung, die seit vielen Jahren für die Bearbeitung von Anzeigen des Verfassungsschutzes zuständig ist und sich vor allem um die Verletzung von Dienstgeheimnissen kümmert.
Kommentare
Wer wann was verbockt hat
Wer? die Mehrheit der Wähler
Wann? am 22.09.2013
Was? Mutti mitsamt ihrer unfähigen Truppe im Kanzleramt wiedergewählt
Ob die alle ...
... einen Ödipuskomplex haben? :)
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf polemische Beiträge, die möglicherweise themenferne Diskussionen anstoßen. Vielen Dank, die Redaktion/dd
Der Kommentar, auf den Sie Bezug nehmen, wurde bereits entfernt.
Unabhängig davon, dass ich als Liberaler gegen solche Gesetze und unabhängig davon, wie man das alles jetzt konkret juristisch bewertet oder ob man den Paragraph für veraltet hält: Ich finde es jetzt schon recht bizarr. Wie aktuell das Thema in der Presse behandelt wird, kommt bei mir der Eindruck herüber, dass die Empörung vor allem darin besteht, dass es überhaupt in Erwägung gezogen wurde Anzeige gegen die heilige linke Presse zu erstatten. Das Verdienst von netzpolitik ist unbestritten, nur ist dieser blog sonst eben einfach tiefst tiefrot. Ich könnte mir persönlich gut vorstellen, dass es unter den Pressefreiheitsbeschwöreren aller Parteien und den Journalisten selbst einen sehr viel geringeren Aufschrei gegeben hätte, würde es sich um ein nicht so ideologisch genehmen Blog handeln. Herr Maas ist ja bei der Meinungsfreiheit auch dabei diese vorbildlich postmodern zu modernisieren. Hasskriminalität nennt man das dann. Und feier sich ab. Relativismus und Prinzipienlosigkeit eben.
Lastigkeit
"Das Verdienst von netzpolitik ist unbestritten, nur ist dieser blog sonst eben einfach tiefst tiefrot"
Dieses Blog ist zunaechst eines: konform zu deutschem Recht. Vom Generalbundesanwalt amtlich festgestellt. Alles andere ist irrelevant.
Was den "Landesverrat" betrifft: bei all dem Versagen ist ein Geruch entstanden, dass es nicht mit rechten Dingen zugegangen ist. Den Vorwurf der Einschuechterung muss sich die Exekutive gefallen lassen.
Und dieser Geruch wird jeder erneuten Anwendung dieses Paragraphen anhaften, egal wie berechtigt diese sei.
Was sie mit ihrem letzten Absatz sagen wollten verstehe ich nicht. Wem werfen sie was vor? Vielleicht moechten sie das noch einmal anders formulieren.
Man kann ein totes Pferd auch totreiten
Übersetzt: Das Thema ist ausgequetscht, mehr Saft kommt nur, wenn man täglich neuen Saft künstlich hinzufügt.