Private Söldner des Rüstungskonzerns Airbus fliegen die deutsche Heron-Drohne in Afghanistan. In Sachsen-Anhalt betreibt der Rüstungskonzern Rheinmetall das modernste Gefechtsübungszentrum der Bundeswehr. Es ist die letzte Ausbildungsstation für jeden deutschen Heeres-Soldaten, bevor er in den Auslandseinsatz geht. Und in der Schäfer-Kaserne im niedersächsischen Bückeburg bildet ein Konsortium aus Rheinmetall, Airbus und anderen Firmen Hubschrauber-Piloten für die Bundeswehr aus.

Das Outsourcen von militärischen Aufgaben an private Unternehmen ist ein Trend. Der weltweite Umsatz wird auf 100 Milliarden Euro jährlich geschätzt. Allein in Deutschland seien über 2.500 private Sicherheits- und Militärfirmen registriert, sagt Tim Engartner, der zu Privatisierungen an der Universität Frankfurt forscht. Doch das Auslagern bringt einige Probleme mit sich.  

Verschleierung der Anzahl Deutscher in Kriseneinsätzen

Friedensgruppen und Militärgegner werfen der Bundesregierung vor, sie forciere es aus politischen Gründen, Aufgaben der Bundeswehr an private Dienstleister auszulagern – vor allem bei Auslandseinsätzen. Denn Zivilisten, selbst wenn sie in militärischen Bereichen eingesetzt werden, zählen nicht als Soldaten. Die Anzahl der Soldaten wird bei jedem Auslandseinsatz vom Bundestag festgelegt. Übernehmen jedoch Rheinmetall, Airbus und Co. deren Aufgaben, fallen die Mitarbeiter nicht unter die festgelegte Mandatsobergrenze. Deutschland kann seine Truppen so durch Dienstleister unbemerkt aufstocken. Und das passiert auch: Nachdem das Isaf-Mandat in Afghanistan Anfang 2015 ausgelaufen ist, habe die Bundeswehr in Masar-i-Sharif "massiv militärisches Personal durch Zivilisten ausgewechselt", sagt ein vor Ort eingesetzter Airbus-Mitarbeiter zu ZEIT ONLINE. Das bestätigt auch das Verteidigungsministerium. Zum Jahreswechsel wurde das offizielle Mandat von 3.300 Bundeswehrsoldaten auf 850 verringert. 

Auslagern des Risikos

Sollte ein privater Dienstleister im Auslandseinsatz getötet werden, zählt er auch nicht in die offizielle Bundeswehr-Statistik der 55 Soldaten, die bisher im Afghanistan-Einsatz ihr Leben ließen. Die Bundesregierung erklärte in der Antwort auf eine Kleine Anfrage, dass der Staat nicht für "Schäden des Auftragnehmers durch Krieg" hafte. Nach dem Ende der Mission betreut der Staat also keine traumatisierten Mitarbeiter von Privatfirmen psychologisch und zahlt auch keine Entschädigung an die Angehörigen von gefallenen privaten Mitarbeitern. Die Risiken trägt das eingesetzte Firmenpersonal selbst. Elf Unternehmen, die bisher für die Bundeswehr in Auslandseinsätzen gearbeitet haben, antworteten ZEIT ONLINE auf eine Umfrage, dass sie bisher noch keine Verletzten oder Todesopfer zu beklagen hätten. Ob es sonst schon zivile deutsche Opfer im Auftrag der Bundeswehr gab, ist unklar. Denn weder das Außenministerium, noch der Militärische Abschirmdienst oder die Bundeswehr selbst erfassen diese Fälle.    

Aber mindestens drei deutsche Mitarbeiter von Dienstleistern sind bisher in Kriegseinsätzen gefallen. Sie waren allerdings als Ingenieure oder Sicherheitsleute in Afghanistan oder im Irak bei anderen Staaten unter Vertrag. Allein 59 Mitarbeiter der deutschen Firma Ecolog AG wurden nach Angaben des Recherchebüros ProPublica bisher im Dienst des US-Militärs weltweit verletzt. Vier Ecolog-Mitarbeiter wurden von den Taliban entführt und ermordet. In einem Spezial-Report führt das US-Militär 111 Zivilisten ohne amerikanischen Pass auf, die im Einsatz für die Armee während des Irakkriegs bis 2010 starben. 

Verlust von Kompetenzen

Die Bundeswehr verweist gern darauf, dass zivile Beschäftigte, zum Beispiel für die Wartung von Waffensystemen, wirtschaftlicher und flexibler eingesetzt werden können. Auch Oberstleutnant Peter Makowski vom Gefechtsübungszentrum (GÜZ) in der Altmark bestätigt das. Der Rüstungskonzern Rheinmetall betreibt das Zentrum mit 250 Angestellten seit sieben Jahren für die Bundeswehr. "Wir haben das durchgerechnet. Wenn Soldaten die Aufgaben des Dienstleisters übernehmen würden, wäre das viel teurer." Makowski bräuchte dann neben dem Ersatz der Privatsöldner noch 150 zusätzliche Soldaten. "Das würde sich für die Bundeswehr nicht lohnen."      

Doch auf der anderen Seite verliert die Truppe viele Kompetenzen, wenn sie diese Aufgaben auslagert. So monierte der Bundesrechnungshof das durch die Zusammenarbeit mit IBM und Siemens bei der Erneuerung der Informationstechnik, die Bundeswehr "nicht mehr über umfassende Erfahrungen im Betrieb der stationären IT" verfüge.