In Oberteuringen am Bodensee brannte eine alte Lagerhalle, die ein Flüchtlingsheim werden sollte. © Felix Kästle/dpa

Diesmal also Oberteuringen, die schwäbische Apfelgemeinde im Bodenseehinterland. Sonst macht Oberteuringen nur im Frühjahr von sich reden, wenn der örtliche Musikverein zum Blütenfest aufspielt. Doch am Dienstag, kurz vor 5.00 Uhr, stand dort eine alte Lagerhalle in Flammen. Sie war gerade zur Flüchtlingsunterkunft umgebaut worden und sollte demnächst Platz für 70 Menschen bieten. 

Das Feuer war wohl von außen an der Fassade gelegt worden. Die Staatsanwaltschaft Konstanz teilte daher nur Stunden nach der Tat mit, es müsse "von einer Brandstiftung ausgegangen werden". Ermittler wühlen im Brandschutt, eine eilig gebildete zwölfköpfige Sonderkommission sucht Zeugen – wieder einmal. Denn inzwischen muss im Südwesten von einer Serie von Bränden in Flüchtlingsunterkünften gesprochen werden. 

In der Nacht zum 18. Juli brannte in Remchingen (Enkreis) ein leer stehendes früheres Vereinsheim, in das 20 Flüchtlinge einziehen sollten. Zuvor, so stellte die Polizei fest, war Benzin ausgeschüttet worden. Am 24. August zerstörten Flammen, ebenfalls in der Nacht, ein für Flüchtlinge hergerichtetes leer stehendes Wohnhaus in Weissach im Tal (Rems-Murr-Kreis). Am 7. September brannten 30 auf einem Gewerbegelände aufgestapelte, von Flüchtlingen bewohnte Container in Rottenburg (Kreis Tübingen). Sechs Menschen wurden verletzt: Sie waren aus dem Schlaf aufgeschreckt, hatten Rauchgas eingeatmet oder sich beim Sprung aus dem Fenster verletzt.

Polizei steht wegen NSU-Ausschuss unter Druck

Brandstiftung mithilfe von Benzin, immer in den frühen Morgenstunden und meistens kurz vor dem geplanten Einzug von Flüchtlingen – das könnte ein Muster sein, glaubt die Staatsanwaltschaft Stuttgart. Seit gut einer Woche fahndet die Ermittlungsbehörde nach Auffälligkeiten in den Akten der verschiedenen zuständigen Polizeipräsidien, vergleicht Zeugenhinweise und die Ergebnisse, zu denen die Brandsachverständigen kommen. "Wir haben die Brände im Blick", sagt eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. "Wir haben noch nichts gefunden, was sich zusammenfügt." Das Feuer in Oberteuringen fällt nicht in diese Analyse hinein, die Ermittlungen stehen hier noch ganz am Anfang.

Die baden-württembergischen Sicherheitsbehörden stehen ganz allgemein unter Druck. Das hat auch damit zu tun, dass der parlamentarische Untersuchungsausschuss zu den NSU-Verbrechen in Baden-Württemberg kein gutes Bild auf die Polizeiarbeit wirft. Mysteriös bleibt der Fall eines Zeugen, eines früheren Neonazis, der am 16. September 2013 in seinem Auto verbrannte, kurz bevor er von Beamten des Landeskriminalamts befragt werden sollte. Thema: Der Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn.

Der Kleinwagen des Zeugen war in Stuttgart, in der Nähe des Cannstatter Wasens, in Flammen aufgegangen. Die Polizei hatte sich damals schnell festgelegt: Suizid. Nichts sei gefunden worden, was einen anderen Schluss zuließe, hieß es. Als die Familie des Toten den zur Verschrottung freigegebenen Wagen selbst untersuchen ließ, tauchten der seit Langem vermisste Schlüsselbund des Wagens, ein Feuerzeug, eine Schreckschusspistole und eine Machete auf. Offenbar hatten Ermittler das Wrack gar nicht genau angeschaut. Bei einer weiteren Untersuchung, die durch den NSU-Ausschuss angeregt wurde, fand sich zudem eine Mikrodatenkarte, die, so der NSU-Ausschussvorsitzende und SPD-Abgeordnete Wolfgang Drexler, durch Hitzeeinwirkung mit dem Armaturenbrett verschmolzen gewesen sei. Die Karte enthält umfangreiche Chat-Protokolle, die bis August 2013 reichen. Die Auswertung dauert an.