Die große Koalition will angesichts der wachsenden Flüchtlingszahl insgesamt sechs Milliarden Euro zur Bewältigung der Lage bereitstellen. Darüber hinaus beschlossen die Spitzen von CDU, CSU und SPD eine Reihe weiterer Maßnahmen, um die derzeitige Krise zu lösen. Sie betreffen neben der Finanzierung der Flüchtlingshilfe auch den Umgang mit Asylsuchenden oder die europäischen Regelungen. Ausnahmen im Baurecht sollen eine schnellere Aufnahme der Flüchtlinge ermöglichen. Im Gegenzug plant die Koalition, drei weitere Balkanstaaten zu sicheren Herkunftsländern zu erklären. Die Beschlüsse sind im Einzelnen:  

  • Drei der sechs Milliarden Euro sollen Länder und Kommunen erhalten. Die anderen drei Milliarden setzt der Bund für eigene Aufgaben im Haushalt 2016 ein. Für 2015 stellt der Bund eine Milliarde Euro zur Verfügung.
  • Zudem erhält das Auswärtige Amt für Krisenbewältigung und -prävention jährlich 400 Millionen Euro mehr. Bei der Bundespolizei werden 3.000 zusätzliche Stellen für die kommenden drei Jahre geschaffen, der Bundesfreiwilligendienst soll um bis zu 10.000 neue Stellen aufgestockt werden.
  • Asylbewerber in Erstaufnahmeeinrichtungen sollen statt Geld  Sachleistungen erhalten. Damit will die Koalition nach eigenen Angaben "Fehlanreize beseitigen".
  • Die Kapazität der Erstaufnahmeeinrichtungen soll auf 150.000 "winterfeste" Plätze ausgebaut werden. Der Bund will dafür sorgen, dass von den normalen Bauvorschriften teilweise abgewichen werden kann. Die Höchstdauer der Aufenthalte in diesen Erstaufnahmelagern soll sechs Monate betragen. 
  • Die Koalition plant zudem, den Kreis der sogenannten sicheren Herkunftsstaaten per Gesetzesänderung um Kosovo, Albanien und Montenegro zu erweitern. Diese Einstufung dient dazu, Asylbewerber aus den betroffenen Ländern schneller in die Heimat zurückzuschicken. 2014 hatte die Bundesregierung angesichts einer großen Zahl an aussichtslosen Asylanträgen bereits Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina als sichere Herkunftsländer klassifiziert.
  • Angehörigen der sechs Balkanstaaten sollen eine legale Arbeitsmigration ermöglicht werden: Wer einen Arbeits- oder Ausbildungsvertrag mit tarifvertraglichen Bedingungen vorweisen kann, soll arbeiten oder eine Ausbildung aufnehmen dürfen.
  • Das Leiharbeitsverbot für Asylbewerber und Geduldete soll nach drei Monaten aufgehoben werden. Bisher durften Asylbewerber und Geduldete sich vier Jahre lang nicht bei einer Leiharbeitsfirma anstellen lassen. Zudem soll es mehr Geld für Eingliederung am Arbeitsmarkt und Sprachförderung geben.

Die Koalition besteht aber auch auf Veränderungen auf der europäischen Ebene. So werden die bekannten Forderungen nach einer Quotenverteilung der Flüchtlinge, der Einrichtung von Aufnahme- und Registrierungseinrichtungen in mehreren südlichen EU-Staaten und eine grundlegende Reform der EU-Asylpolitik gefordert. Neben einem verstärkten Kampf gegen Schleuser sollen besonders betroffene EU-Staaten finanzielle und praktische Hilfe erhalten.

SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann schrieb auf Twitter von einem "guten Ergebnis". Unionsfraktionsvize Thomas Strobl lobte im Deutschlandfunk die Koalitionsrunde für ihre Ergebnisse. Die Entscheidung vom Wochenende, die Flüchtlinge aus Ungarn nach Deutschland zu holen, sei die "richtige Entscheidung in Notsituationen" gewesen. Man müsse alles tun, dass sich so etwas nicht wiederholt. Ausschließen wollte er das nicht: "Wenn eine akute Notsituation eintritt, muss eine Regierung helfen." Auch Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow von der Linkspartei zollte der Koalition Respekt.

Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Christoph Strässer, kritisierte die Entscheidung, Geld- in Sachleistungen umzuwandeln. Die Organisation Pro Asyl hatte Sachleistungen schon zuvor als diskriminierend bezeichnet. Vor Jahren hatte sogar die CSU das so gesehen.     

Endgültige Entscheidungen sollen am 24. September bei einem Bund-Länder-Gipfel fallen. Bundestag und Bundesrat sollen im Oktober abstimmen.

CSU-Chef Horst Seehofer hatte die Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel vor dem Koalitionsgipfel kritisiert.