Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, hat Gewaltausbrüche in manchen Flüchtlingsunterkünften als keine neue Entwicklung bezeichnet. "Wir erleben diese Gewalt seit Wochen und Monaten", sagte Wendt der Passauer Neuen Presse. Gruppen schlössen sich nach Ethnien, nach Religion oder Clan-Strukturen zusammen und gingen "mit Messern und selbst gebastelten Waffen aufeinander los".

Die Bewohner trügen religiös und politisch motivierte Konflikte und Kämpfe um die Vorherrschaft aus. Sunniten kämpften gegen Schiiten, es gebe "Salafisten unterschiedlichster Ausprägung". Frauen würden zur Verschleierung gezwungen, Männer zum Beten. "Islamisten wollen dort ihre Werte und Ordnung einführen", sagte er. Christen sollten deshalb "unter besonderen Schutz" gestellt werden.

Vieles davon sei "sicher der Enge in den Unterkünften geschuldet, aber es gibt auch knallharte kriminelle Strukturen", sagte der Gewerkschafter, ohne konkrete Flüchtlingsheime zu nennen. Wendt forderte eine schnelle Abschiebung von gewalttätigen Flüchtlingen. "Bei denjenigen, die hier straffällig werden, Verbrechen begehen, muss der Rechtsstaat mit ganzer Härte durchgreifen."

Am Sonntag war es in einer Notunterkunft im nordhessischen Kassel-Calden zu einer Schlägerei unter 300 Albanern und 70 Pakistanern gekommen. Auslöser war eine Rangelei zwischen zwei Bewohnern während der Essensausgabe. Im thüringischen Suhl waren vor Wochen in einer überfüllten Unterkunft Bewohner aufeinander losgegangen – weil ein 25-Jähriger eine Seite aus einem Koran herausgerissenen und in eine Toilette geworfen haben soll. Landesregierungschef Bodo Ramelow hatte sich deshalb dafür ausgesprochen, potenziell rivalisierende Flüchtlingsgruppen voneinander zu trennen. Ebenso verlangte es die Gewerkschaft der Polizei (GdP).


Lewentz gegen Trennung nach Glauben und Herkunft

Politiker sprechen sich jedoch gegen eine Trennung nach Glauben und Herkunft aus. Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD) hält eine solche Aufteilung nicht für sinnvoll, um Konflikte zu vermeiden. Er sieht auch praktische Probleme: "Eine Trennung nach Religionen oder gar Ethnien ist bei dem derzeitigen Ansturm kaum praktikabel", sagte Lewentz der Deutschen Presse-Agentur. Die wichtigste Aufgabe sei es, geflohenen Menschen ein Dach über dem Kopf zu bieten. 

Auch SPD-Bundesvize Ralf Stegner lehnt eine Separierung ab. "Man muss sensibel bei ethnischen Konflikten agieren, aber eine pauschale religiöse oder ethnische Trennung kann nicht die Lösung sein", sagte er der Rheinischen Post. Der SPD-Abgeordnete Achim Post, Vorsitzender der nordrhein-westfälischen Landesgruppe in der SPD-Bundestagsfraktion, ergänzte, das Hauptproblem seien "nicht die Ethnie oder die Religion, sondern die Zustände und die beengten Wohnmöglichkeiten". 

Auch aus der CDU kam Widerspruch. "Die Forderung nach Trennung ist ein völlig falsches Signal an diejenigen, die zu uns kommen", sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht der Mitteldeutschen Zeitung und forderte von den Flüchtlingen "Respekt vor unserer Verfassung und unseren Werten". Er erinnerte daran, dass das Grundgesetz auch Religionsfreiheit garantiert. 

Verhaftungen in Suhl

Die Asylsuchenden hätten in der Erstaufnahmeeinrichtung erstmals die Möglichkeit, das Grundgesetz anzuerkennen. "Wir haben nicht vor, ein Teil der Werte jener Länder zu werden, aus denen diese Leute kommen", sagte Stahlknecht. "Das kann nicht funktionieren."

Wegen des Gewaltausbruchs im thüringischen Suhl verhaftete die Polizei am Morgen in mehreren Unterkünften 15 Verdächtige. Etwa 310 Beamte seien an der Aktion beteiligt, hieß von der Polizei. Insgesamt wollten sie gegen 16 namentlich bekannte Verdächtige Haftbefehle vollstrecken. Unter anderem wird ihnen versuchter Totschlag, Sachbeschädigung und Landfriedensbruch vorgeworfen.