Wohncontainer für Flüchtlinge © dpa

Seit Wochen gibt es diese Gerüchte. Irgendwer kennt irgendjemanden, der von einem gehört hat, der IS-Leute traf und behauptet, der "Islamische Staat" schicke, versteckt in den vielen Flüchtlingen, Tausende Kämpfer nach Europa. Das Szenario klingt gruselig und irgendwie auch plausibel. Doch stimmt es? Wir beantworten die wichtigsten Fragen:   

Schickt der "Islamische Staat" in Flüchtlingsgruppen versteckte Schläfer nach Deutschland?

Nein. Keine deutsche Behörde hat Belege, die die Behauptung stützen, dass islamistische Schläfer gezielt nach Deutschland oder Europa gesandt werden, damit sie hier später einmal Attentate begehen können. Verfassungsschutz, Bundesnachrichtendienst und Bundeskriminalamt befassen sich alle mit dieser Frage. Ihre Antwort ist immer die gleiche. Hier beispielsweise gegeben von Hans-Georg Maaßen, dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Er sagte am Montagabend: "Bislang liegen uns keine belastbaren Erkenntnisse vor, dass dschihadistische Gruppierungen die Flüchtlingsströme zielgerichtet zur Infiltration des Bundesgebietes durch Einzeltäter oder Gruppen genutzt haben."

Besteht also keine Gefahr?

Ja und nein. Die Propaganda des IS richtet sich in erster Linie darauf, Menschen aus aller Welt in die Kampfgebiete nach Syrien und in den Irak zu locken und sie dort einzusetzen. Wer das Gebiet des IS verlassen will, gilt als Verräter und muss mit dem Tod rechnen.

Gleichzeitig könnten sich aber sogenannte Rückkehrer berufen fühlen, hierzulande Anschläge im Namen des IS zu verüben. Denn Rückkehrer gibt es. Nach Erkenntnissen der Nachrichtendienste und des BKA sind bislang ungefähr 70 Personen mit Kampferfahrung nach Deutschland zurückgekommen. Doch bei ihnen handelt es sich eher um Deserteure, die desillusioniert geflohen sind. Dennoch gelten sie als gefährlich, weil sie mit Waffen umgehen können und radikalisiert sind. Für Ermittler, die sich mit Terrorismus beschäftigen, ist die Schläfertheorie also eine von vielen Hypothesen, aber bei Weitem nicht die wichtigste oder wahrscheinlichste.

Aber sind unter den vielen Flüchtlingen nicht auch Islamisten?

Wahrscheinlich schon, aber wenn, dann sind es nicht sehr viele. Die meisten Menschen, die aus Afghanistan, dem Irak oder Eritrea nach Europa fliehen, laufen vor den Angriffen der Islamisten und der Gewalt in ihrer Heimat weg. Aus Syrien flüchten die meisten Menschen, weil die Einheiten der Regierungsarmee von Präsident Baschar al- Assad ihre Heimat in Schutt und Asche legen. Aber auch hier ist es der IS, der sehr viele weitere Syrer aus dem Land treibt.

Unter den geflüchteten Syrern fand sich bisher ein mutmaßlicher Anhänger des IS. Das BKA ermittelt in dem Fall in Brandenburg. Dort hatte der Syrer vor anderen Flüchtlingen behauptet, für den IS getötet zu haben.

Je mehr Flüchtlinge kommen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass unter ihnen auch Radikale sind. Aber auch hier gilt: Bislang gibt es keine Anhaltspunkte, dass radikale Islamisten systematisch oder in großer Zahl nach Deutschland reisen. Schon gar nicht in Gruppen.

Wenn es um die Sicherheit in Deutschland geht, scheinen Rechtsradikale das viel größere Problem zu sein. Sie nutzen die Migranten gezielt als Rechtfertigung für ihre Propaganda, durch die sich wiederum rechte Einzeltäter radikalisieren und in der Folge Anschläge verüben. Die steigende Zahl von Taten gegen Flüchtlingsunterkünfte ist ein Beleg dafür.