In der Flüchtlingskrise hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die EU-Partner ermahnt, die Zukunft der Union nicht aufs Spiel zu setzen. Sie hoffe, dass bei den Treffen der EU-Innenminister am Dienstag sowie der Staats- und Regierungschefs am Mittwoch Einigungen erzielt würden, die den Menschen zeigten, dass Europa sich dieser Verantwortung gemeinsam annehme, sagte Merkel. Vor den Delegierten des Bundeskongresses der Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di in Leipzig fügte die Kanzlerin hinzu, die Ergebnisse der Treffen würden viel aussagen über die "Zukunftsfähigkeit dieses Europas".

Die Flüchtlingskrise sei nicht nur eine deutsche, sondern eine europäische Herausforderung, sagte Merkel. "Wir sind eine Europäische Union, die die gleichen Werte vertritt, die eine gemeinsame Asylpolitik hat, die sich für offene Grenzen zwischen den Mitgliedstaaten eingesetzt hat", so die Kanzlerin. Europa müsse gemeinsam Verantwortung übernehmen. "Deutschland allein kann diese Aufgabe nicht schultern", sagte Merkel. Sie dankte zugleich ehrenamtlichen Helfern sowie den Kommunen und Ländern für ihren Einsatz.

In Osteuropa wird ein stärkeres Engagement in der Flüchtlingskrise weiter abgelehnt. Nach anderen osteuropäischen Staaten machte auch Polen noch einmal deutlich, dass es sich nicht verbindlich an der Aufnahme von Flüchtlingen beteiligen will. Polen werde nur eine symbolische Zahl von Menschen aufnehmen, sagte Ministerpräsidentin Ewa Kopacz. "Es werden auf jeden Fall weit weniger als die 80.000 Flüchtlinge aus Tschetschenien, die Polen in den 1990er Jahren aufgenommen hat."

Vor dem EU-Sondergipfel bekräftigte Kopacz zudem, dass ihre Regierung nur Schutzsuchende und keine Wirtschaftsflüchtlinge akzeptieren werde. Anfang des Monats hatte die Ministerpräsidentin erklärt, dass Polen mehr als die angekündigten 2.000 Flüchtlinge aufnehmen könnte, dazu aber nur unter bestimmten Bedingungen bereit sei. 

Seit Wochen versuchen Zehntausende Syrer und andere Flüchtlinge, nach Europa zu gelangen. Vor allem osteuropäische Staaten wehren sich gegen die Einführung verbindlicher Quoten für die Verteilung der Flüchtlinge, wie sie von der EU-Kommission angestrebt werden. Insgesamt sollen so 160.000 Flüchtlinge in der EU verteilt werden. Ein Treffen der EU-Innenminister brachte am vergangenen Montag keine Einigung in der Quotenfrage. Am kommenden Dienstag sollen die Minister erneut tagen, am Mittwoch treffen sich dann die Staats- und Regierungschefs.

Flüchtlingshilfe - Einstehen für syrische Flüchtlinge