Auf dem Hügel stehen elf Rassisten. Ihre Autos haben sie auf die Wiese geparkt, nun halten sie am Straßenrand ein großes Banner hoch. "Politiker betreiben Verrat am eigenen Volk" steht darauf, die Worte "Politiker" und "Verrat" in besonders blutigem Volksverräter-Rot gemalt. Die Gruppe nennt sich "Initiative Heimatschutz" und protestiert an diesem Abend gegen Ministerpräsident Stanislaw Tillich und seine sächsischen CDU-Kollegen, die sich auf einem Weingut am Rande Meißens treffen. 

Nun läuft ein noch junger Mann in weißem Hemd und Jeans auf die Gruppe zu. Er rennt fast, die Absätze seiner eleganten Schuhe trommeln auf den Asphalt der Straße. Sebastian Fischer von der CDU ist Politiker, Sebastian Fischer will kein Verräter sein. Der Landtagsabgeordnete will das jetzt durchziehen. Das ist seine Rolle: Auch mit den Rassisten zu reden.

Er baut sich auf vor der Truppe, er knöpft sein Jackett zu, er ruft über den Hügel: "Darf ich mich vorstellen, ich bin der Abgeordnete Sebastian Fischer. Und warum sind Sie hier?"

Dann Wortgemenge. "Wir müssen unsere Kinder schützen und unser Eigentum vor denen!" ruft einer der Männer. "Haben Sie mal in die Kriminalitätsstatistik geguckt?" fragt Fischer zurück. "Die gefälschte?" Grölen. Fischer, unbeirrt: "Da sehen Sie, dass der Anteil der kriminellen Ausländer nur leicht erhöht ist." Antwort: "Können wir mit dem Rucksack reingehen uns den Rucksack vollpacken und ungestraft wieder rausgehen? Nee! Aber die dürfen das! Die so genannten Kriegsflüchtlinge!"

Und dann, immer weiter: "Wo sind denn die Kriegsflüchtlinge? Wo sind zum Beispiel die Frauen und die Kinder? Die hat dieses Dreckspack im Land gelassen!"

Da sagt Fischer: "Dreckspack, also das geht nicht!", und der Rassist sagt: "Aber das ist doch so!" Dann ist es vorbei.

So sieht er also aus, der Dialog der sächsischen Union mit dem rechten Rand im eigenen Land. Fischer wird später sagen, diesmal sei es eben schief gegangen, diesmal habe reden wirklich keinen Zweck gehabt. Fischer wird aber auch sagen: "Ich will und kann keinen aufgeben."

Wie offen ist die in Sachsen seit 25 Jahren regierende CDU nach rechts? Das ist ein altes, aber gerade wieder heiß diskutiertes Thema. Wegen Freital und Pegida und vor allem wegen Heidenau, wo die Rassisten randalierten und über Tage den Ort beherrschen konnten. Prototypisch formulierte danach die Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, den Vorwurf: "Heidenau ist eine direkte Folge der falsch verstandenen Toleranz der sächsischen Landesregierung gegenüber Pegida."

Göring-Eckart und die meist nicht-sächsische Restöffentlichkeit führen einen Indizienprozess gegen die hiesige CDU: Der Innenminister traf sich mit den Pegida-Organisatoren, von denen einer früher selbst mal CDU-Stadtrat war. Der sächsische Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz organisierte Pegida-Anhängern einen Termin im Bundesentwicklungsministerium. Ministerpräsident Stanislaw Tillich sagte: "Der Islam gehört nicht zu Sachsen." Sein Generalsekretär Michael Kretschmer twitterte: "Prognose dieses Jahr 800.000 Flüchtlinge - das sind zu viele. So wird es nicht weitergehen können." Und Sebastian Fischer, der Mann vom Hügel, wäre gern bei Pegida als Redner aufgetreten, wenn die ihn gelassen hätten.

Was den Anklägern zur Verurteilung reicht, deuten die Verteidiger als Beweis, dass die CDU noch eine echte Volkspartei ist; So denke der Sachse nun mal. Was diese Partei und dieses Land als Sonderfall ja noch interessanter macht.

Sebastian Fischers Offenheit nach rechts reicht bis fünf Meter hinter den NPD-Kreisvorsitzenden. Er sagt: "Mit dem rede ich nicht, aber schon mit denen, die in der zweiten und dritten Reihe da mitdemonstrieren." Über die Rassisten vom "Heimatschutz Meißen" sagt er: "Dass es sie gibt, zeigt, dass die Diskussion durch die Denkverbote verhärtet ist. Durch die Bekenntniszwänge, die es gibt, durch die Distanzierungszwänge." Erwidert man dann, dass vielleicht die Rassisten selbst verantwortlich sind für ihren Rassismus, widerspricht Fischer nicht. Aber von sich aus sagt er das nicht. Er nennt sie auch nicht Rassisten, sondern, beispielsweise, "Leute, die das nicht so durchdacht haben." Und er stört sich ganz generell an den Anführungszeichen bei "besorgte Bürger", er sagt: "Die haben ja wirklich Sorgen."