Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung scharf kritisiert. Zuwanderer aus dem Balkan sollten im Wesentlichen ohne Asylverfahren sofort abgeschoben werden, sagte Sarrazin der ZEIT.

Ähnlich wie die AfD fordert der ehemalige Politiker darüber hinaus eine massive grundsätzliche Einschränkung des im Grundgesetz festgelegten Rechts auf Asyl. Es solle nur für Menschen gelten, die als politische Aktivisten oder im Rahmen eines Völkermordes verfolgt werden, sagte Sarrazin. "Aber nicht für jeden, der in einer Diktatur oder einer unvollkommenen Demokratie irgendwie unterdrückt wird."

Ein Asylrecht, wie das gegenwärtige, bedeute, dass 80 Prozent der Weltbevölkerung ein Recht auf Asyl in Deutschland hätten , sagte Sarrazin. "Das ist auf Dauer nicht haltbar."

Dieser Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 37 vom 10.09.2015.

Sarrazin sprach sich zudem dafür aus, Griechenland die EU-Hilfen zu streichen, solange das Land nicht das Dublin-Abkommen erfülle und Flüchtlinge ohne Registrierung weiterschicke. "Die sollen Lager einrichten auf Kos und auf Rhodos oder wo auch immer, grenznah." Polen, Tschechien und England müsse man dazu bringen, im Verhältnis zur Bevölkerung genauso viele Flüchtlinge aufzunehmen wie Schweden und Deutschland.

Die Verantwortung für die Flüchtlinge sieht Sarrazin in erster Linie bei den arabischen Nachbarstaaten sowie den Golfstaaten und Saudi-Arabien. Letztere würden "vor Geld stinken" und trotzdem "keinen einzigen fremden Araber und Glaubensgenossen" aufnehmen.

Sarrazin ist SPD-Mitglied. Ein Ausschlussverfahren scheiterte zwei Mal. Grund für die Verfahren gegen den früheren Bundesbanker und Berliner Finanzsenator waren dessen umstrittene Thesen zur Integrationspolitik und seine Äußerungen zur Vererbungstheorie. Sarrazin hatte in einem Buch und in Interviews die Ansicht vertreten, Muslime seien generell schlechter gebildet und Intelligenz sei größtenteils erblich bedingt. Bildungsprogramme, auch für die deutsche Unterschicht, verfehlten größtenteils ihren Zweck und seien fehlinvestiertes Geld.