Bundeskanzlerin Angela Merkel erhält für ihre Haltung in der Flüchtlingspolitik Zuspruch aus CDU und SPD. Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig sagte nach dem Auftritt der Kanzlerin in der ARD-Talkshow Anne Will: "Die Kanzlerin hat einen Plan und der ist auch gut." Alles, was Merkel gesagt habe, "ist richtig und kann nur unterstützt werden".

Merkel hatte am Mittwochabend nochmals deutlich gemacht, dass sie die Flüchtlingspolitik fortsetzen will wie bisher. Die Deutschen hätten die besten Voraussetzungen, diese Krise zu bewältigen, sagte die Kanzlerin.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) signalisierte Unterstützung für Merkels Kurs. "Ich würde unsere Möglichkeiten so beschreiben: Wir sind unendlich hilfswillig, aber unsere Möglichkeiten sind begrenzt." Dazwischen müsse eine vernünftige Lösung gefunden werden. Es sei nicht richtig, permanent in Alarmismus zu verfallen, sagte Bouffier. "Wir können und wollen in Deutschland keinen Zaun bauen."

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sagte hingegen: "Unsere Belastungsgrenze ist definitiv erreicht." Sein thüringischer Amtskollege Bodo Ramelow (Linke) mahnte mehr Finanzmittel vom Bund an. Das Ende der Belastbarkeit sei jeden Tag erreicht, aber dadurch, dass man es täglich wiederhole, werde es nicht besser.

Vonseiten der CSU kritisierte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann Merkel, weil sie die sogenannte Dublin-Regel, wonach Flüchtlinge aus sicheren Drittstaaten in Deutschland keinen Anspruch auf politisches Asyl haben, als nicht tragfähig bezeichnet hatte. Im Südwestrundfunk kündigte Herrmann an, Bayern werde das beim Bund zur Sprache bringen. Die Landesregierung will am Freitag in einer Sondersitzung über Notmaßnahmen in der Flüchtlingskrise beraten.

Auch FDP-Vize Wolfgang Kubicki sieht den Auftritt der Kanzlerin kritisch. Merkel habe es in der gesamten Sendung nicht geschafft, den Menschen in Deutschland deutlich zu machen, wie sie die Probleme konkret bewältigen wolle, sagte Kubicki dem Focus. Es reiche nicht, "all jene moralinsauer abzukanzeln, die Angst vor einer gesellschaftlichen Überforderung haben".

Die stellvertretende CDU-Vorsitzende Julia Klöckner sagte dem Magazin, der Auftritt Merkels sei "souverän, klar und gut erklärend" gewesen. Sie wolle die Situation in den Flüchtlingslagern in der Region um die Herkunftsländer verbessern, "ein wichtiger und richtiger Schritt. Genauso wie geordnete und berechenbare Zustände".

"Bemerkenswerter Auftritt"

SPD-Vize Ralf Stegner sprach Focus gegenüber von einem "bemerkenswerten Auftritt", bei dem Merkel vieles gesagt habe, was seine Partei schon lange vertrete. "Die Frage ist: Gilt das ab jetzt für die ganze Union? Revidieren die Wahlkämpfer Frau Klöckner oder Herr Wolf nun ihre gegenteiligen Positionen?", sagte Stegner und bezog sich damit auf Politiker aus der Union, die sich in den vergangenen Wochen immer wieder kritisch über die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin geäußert hatten – darunter auch Innenminister Thomas de Maizière. Dieser fordert nach dem Auftritt der Kanzlerin bei Anne Will – bei dem Merkel ihren Minister demonstrativ in Schutz genommen hatte – ausdrücklich Unterstützung für die Politik der Kanzlerin.

Der Minister verteidigte sie gegen innerparteiliche Kritiker, die Merkel vorwerfen, eine nicht länger verkraftbare Politik der offenen Tür für Flüchtlinge zu verfolgen. Diese Beschreibung von Merkels Politik sei falsch, sagte de Maizière. "Die Bundeskanzlerin ist eine Frau von Maß und Mitte. Sie denkt sehr international und kennt die Wirkung ihrer Worte." Auch sei die Distanzierung gerade des CSU-Vorsitzenden Horst Seehofer von der Kanzlerin "nicht schön", kritisierte der Minister.

De Maizière trat dem Eindruck entgegen, er sei regierungsintern in der Flüchtlingskrise entmachtet worden. Dass Merkel das Bundeskanzleramt mit der politischen Koordinierung der Flüchtlingskrise betraut habe, sei eine Selbstverständlichkeit, sagte er.