In Baden-Württemberg ist ein Bezirksbürgermeister zurückgetreten, der sich für eine Sammelunterkunft für Flüchtlinge eingesetzt hatte und daraufhin bedroht worden war. "Persönliche Anfeindungen und anonyme Drohungen gegen meine Person und gegen meine Frau haben den Ausschlag gegeben, dass ich auch aus Rücksicht auf meine Familie diesen Schritt gehe", schreibt Ralph Schönenborn, der ehrenamtliche Bezirksbürgermeister des Reutlinger Stadtteils Oferdingen. 

Dort wird seit mehreren Monaten heftig darüber gestritten, ob 70 Flüchtlinge in dem Stadtteil untergebracht werden sollen. Schönenborn setzte sich dafür ein, dass diese in Containern untergebracht werden sollten. "Da es in Oferdingen ein großes Grundstück mit bestehendem Baurecht im Eigentum der GWG gibt, müssen wir diese Chance ergreifen und dort eine Sammelunterkunft schaffen", hatte Schönenborn Mitte Juli im Bezirksgemeinderat gesagt.

Gegen die Pläne Schönenborns protestierten mehrere Oferdinger. 700 von ihnen unterzeichneten eine Unterschriftenliste, die sie der Reutlinger Stadtverwaltung übergaben. In ihr fordert der Oferdinger Freundeskreis für Flüchtlinge, dass die Bürger statt in einem Containerdorf dezentral untergebracht werden sollten. Schönenborn habe darauf verzichtet, mit dem Freundeskreis zusammenzuarbeiten, da dieser fremdenfeindliche Ziele verfolge, schreibt die Bürgerinitiative. Zudem hatten neun von elf Bezirksgemeinderäten Schönenborn aufgefordert, zurückzutreten.