Der syrische Asylbewerber Mohamed Zayat und seine Tochter Ranim vor einem Supermarkt in Letschin (Brandenburg) © Sean Gallup/Getty Images

Die meisten Bundesländer lehnen Sachleistungen für Flüchtlinge eher ab. Einkaufsgutscheine zu verteilen statt Geld auszubezahlen sei aus Sicht von Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Bremen und Schleswig-Holstein zu bürokratisch, berichtet das rbb-Inforadio. Der Sender beruft sich auf eine eigene Umfrage bei den zuständigen Ministerien der Länder. Asylbewerber sollen dort weiterhin Bargeld bekommen.

Acht weitere befragte Bundesländer prüften noch eine Umstellung, hätten sich wegen des enormen Verwaltungsaufwands aber ebenfalls skeptisch gezeigt. In Berlin werde über ein Mobilitätsticket für Flüchtlinge diskutiert. Demnach könnten etwa 30 Euro vom Taschengeld abgezogen werden, dafür gäbe es eine Monatskarte für den Nahverkehr. Drei von 16 Bundesländern antworteten nicht auf die Anfrage des rbb.

Der Umfrage zufolge will lediglich Bayern die Sachleistungen definitiv einführen. Die Regelung soll aber zunächst nur in zwei Erstaufnahmeeinrichtungen für Asylbewerber aus den Balkan-Staaten gelten. 

Bislang stellen Länder und Kommunen den Asylbewerbern Unterkunft, Kleidung und Verpflegung zur Verfügung. Zusätzlich bekommen sie im Normalfall 143 Euro im Monat – für Bus-Tickets, Prepaid-Karten für Handys oder Lebensmittel. Befürworter des Sachleistungsprinzips argumentieren, die 143 Euro im Monat würden Menschen nach Deutschland locken.

Der Bundestag hatte vor Kurzem ein Gesetzespaket zum Asylrecht beschlossen, das zum 1. November in Kraft treten soll. Damit soll unter anderem der Anreiz für Flüchtlinge vom Westbalkan verringert werden.

Die neue Asylgesetzgebung sieht unter anderem vor, dass Asylbewerber in Erstaufnahmeeinrichtungen möglichst ausschließlich Sachleistungen bekommen. Das Taschengeld soll durch Gutscheine ersetzt werden. Eine Klausel im Gesetz erlaubt aber weiterhin die Barauszahlung.

Bei den Grünen und in der SPD ist das Sachleistungsprinzip umstritten. Schon vor der Verabschiedung des Gesetztes war fraglich, ob sich die rot-grün regierten Bundesländer dem anschließen. Gegner sehen in den Sachleistungen eine Bevormundung.

Die Asyl-Expertin von Amnesty International, Wiebke Judith, sagte dem rbb: "Die Bevormundung besteht natürlich darin, dass entschieden wird, was gekauft werden kann, oder was eben nicht mehr gekauft werden kann, was konsumiert werden darf. Oder wo mit Wertgutscheinen eingekauft werden kann."

Wie das Video zeigt, haben auch am Dienstagabend erneut Flüchtlinge an der Grenze zu Österreich auf den Übergang nach Deutschland gewartet.