Eine Frau mit einem Baby in einem Aufnahmelager auf Lesbos, Griechenland © Aris Messinis/AFP/Getty Images

Es war eine gewaltige Zahl, die Deutschland am Montag erschreckte. Bis zu 1,5 Millionen Flüchtlinge könnten in diesem Jahr nach Deutschland kommen, hatte die Bild-Zeitung berichtet. Bisher gibt es dafür keine offizielle Bestätigung. Dass mehr Menschen kommen werden, als die bislang anvisierten 800.000 scheint jedoch sicher.

Am Dienstag wies nun auch die Bundesfamilienministerin darauf hin, dass es nicht bei denen bleiben wird, die schon geflohen sind. Denn auch Flüchtlinge haben Ehepartner und Kinder – und ein Recht darauf, sie nach Deutschland nachzuholen.

 "Wir rechnen damit, dass sehr viele Frauen und Kinder nachkommen", sagte Manuela Schwesig in einem Zeitungsinterview. Ausgerechnet CSU-Politiker, die sich sonst stets besonders für den Schutz der Familie aussprechen, fordern deswegen eine Einschränkung des Familiennachzugs. Dabei gibt es dafür bereits enge Grenzen. Ein Überblick über die wichtigsten Fakten:

Wer darf nachkommen?

Menschen, die in Deutschland als Asylbewerber oder Flüchtlinge gelten, können während der ersten drei Monate nach ihrer Anerkennung ihre engsten Angehörigen nachholen. Dasselbe gilt für die, die hier subsidiären Schutz genießen – also nicht in ihre Heimatländer zurückkehren können, weil dort zum Beispiel Krieg herrscht. Engste Angehörige sind aber in diesem Fall nur minderjährige Kinder und Ehepartner. Volljährige Kinder dürfen ebenso wenig nachkommen wie etwa die eigenen Eltern, es sei denn, der Flüchtling ist selbst noch minderjährig. Nur in besonderen Härtefällen kann von dieser Regelung abgewichen werden.

Hat der Flüchtling die Dreimonatsfrist verpasst, kann er seine Angehörigen nur dann nachholen, wenn er selbst für Wohnung und Unterhalt sorgen kann. Ehepartner müssen in diesem Fall außerdem einfache Deutschkenntnisse nachweisen.

In den vergangenen Jahren haben einige Länder Ausnahmeregelungen für anerkannte Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien geschaffen. Sie dürfen auch weitere Verwandte nachholen – allerdings ebenfalls nur, wenn sie selbst für deren Unterhalt sorgen können.

Welche Prognosen gibt es?

In der Debatte kursieren derzeit verschiedene Zahlen. Der frühere Präsident des Bundesamts für Migration, Manfred Schmidt, rechnete im Durchschnitt mit je drei Familienangehörigen pro Flüchtling. Die CSU bezog dies sofort auf die 200.000 Syrer, die bisher in Deutschland Zuflucht gefunden habe. Allein für sie sei also mit 600.000 nachziehenden Familienmitgliedern zu rechnen, sagt Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU). In dem Papier,das der Bild-Zeitung zugespielt wurde, war gar von vier bis acht Familienangehörigen pro Flüchtling die Rede.

Doch seriöse Prognosen gibt es nicht. Man habe keine Durchschnittswerte aus den vergangenen Jahren, betont das Bundesinnenministerium, denn ob jemand über den Familiennachzug komme, werde im Ausländerzentralregister nicht erfasst. Im Übrigen ist auch völlig unklar, wie viele Flüchtlinge überhaupt Familienangehörige nachholen wollen: Viele von ihnen sind alleinstehende junge Männer und haben noch keine Familie, andere sind bereits mit Kindern und Ehepartner gekommen. Wie viele Familienmitglieder am Ende kommen werden, hängt wesentlich davon ab, wie viele Flüchtlinge anerkannt werden oder subsidiären Schutz erhalten. Denn nur sie können ihre Angehörigen nachholen.

Was fordert die CSU?

Trotz der unklaren Zahlenbasis fordern Singhammer und der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer (CSU),  bereits jetzt, den Familiennachzug zu begrenzen. Zuerst brauche man einen Überblick, wie viel Wohnraum, Schul- und Kitaplätze zur Verfügung stünden, sagte Singhammer ZEIT ONLINE. Erst dann könne man entscheiden, in welchem Umfang der Nachzug von Familienangehörigen möglich sei.

Was sagt die SPD dazu?

Der innenpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Burkhard Lischka, sagte ZEIT ONLINE, er sei grundsätzlich bereit, über eine Begrenzung zu reden. Allerdings müsse die CSU zunächst sagen, wo sie genau ansetzen wolle.