Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth (Grüne) © Sven Hoppe/dpa

Die Vizepräsidentin des Bundestags, Claudia Roth (Grüne), hat CSU-Chef Horst Seehofer scharf kritisiert. "Wer wie Seehofer glaubt, mit ein paar Grenzkontrollen und verstärkten Rückführungen Bayern einzäunen zu können und so die Anzahl der Flüchtlinge zu begrenzen, der hat das Ausmaß der Krise im Nahen Osten nicht verstanden", sagte Roth der Rheinischen Post. "Und wenn der bayerische Ministerpräsident Angela Merkel mit einer Verfassungsklage drohen will, macht er sich nur noch lächerlich."

Auch Vizekanzler und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel kritisierte die Äußerungen Seehofers. "Weder Gesundbeten hilft, noch Panik- oder Angstmache. Und schon gar keine starken Sprüche wie aus der CSU. Es gibt keine Zugbrücke, die wir vor Deutschland hochziehen können", sagte der SPD-Politiker der Bild-Zeitung. "Und Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett wird selbst die CSU nicht an den Grenzen aufmarschieren lassen, um Flüchtlinge abzuwehren."

Seehofer hatte am Freitag gefordert, dass die Zuwanderung begrenzt werden müsse. Dies sei unerlässlich, da sonst der Rückhalt in der Bevölkerung schwinden werde. "Wir müssen die Bereitschaft erhalten, solidarisch zu sein."

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann drohte damit, sein Bundesland werde eigene Maßnahmen einleiten, sollten "Schengen und Dublin nicht umgehend eingehalten werden". Es sei rechtlich möglich, Flüchtlinge direkt an der Grenze abzuweisen. Denkbar sei auch, vor dem Bundesverfassungsgericht zu klagen.

"Heiße Luft", nannte Justizminister Heiko Maas (SPD) die Drohung. "Wir haben keine Zeit uns mit solchen Verbalattacken auseinanderzusetzen." Seehofers und Herrmanns Äußerungen seien die "bayerische Art und Weise", Dinge vorzutragen, sagte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU). Der Chef des Kanzleramts, Peter Altmaier (CDU), sagte in den Tagesthemen, er glaube nicht, dass Bayern klagen werde. Die Bundesregierung sei "überzeugt, dass wir auf dem Boden des Grundgesetzes handeln".