Der frühere CDU-Generalsekretär Heiner Geißler hat die Haltung der CSU in der Flüchtlingsfrage heftig kritisiert. "CSU-Chef Horst Seehofer muss sich fragen lassen, ob ihm Viktor Orbán näher ist als die Menschenwürde der Flüchtlinge", sagte Geißler der Passauer Neuen Presse. Ausdrücklich lobte er die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Zehntausende Flüchtlinge aus Ungarn einreisen zu lassen. "Hätte sie zuschauen sollen, wie diese Leute in Ungarn verrecken?", fragt Geißler. "Angela Merkel hätte den Friedensnobelpreis verdient. Nächstenliebe ist keine Gefühlsduselei und kein Gutmenschentum, sondern eine Pflicht, denen zu helfen, die in Not sind."

An den EU-Außengrenzen gab es einem Zeitungsbericht zufolge von Januar bis August bereits mehr als eine halbe Million unerlaubte Grenzübertritte, fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

Wie die Bild unter Berufung auf den Bericht des Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums illegale Migration (Gasim) berichtet, kommen die meisten Flüchtlinge aus Syrien (60 Prozent) und Afghanistan (18 Prozent). Im Gasim-Bericht werden die wichtigsten Erkenntnisse von Bundesnachrichtendienst, Bundeskriminalamt, Verfassungsschutz, Bundespolizei, Auswärtigem Amt, Bundesamt für Migration und Zoll dokumentiert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird die Flüchtlingskrise noch stärker als bisher zur Chefsache machen. Am heutigen Mittwoch will das Kabinett eine Vorlage beschließen, nach der Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) als Gesamtkoordinator die Aufgaben der verschiedenen Ministerien bündeln soll.

Lauterbach erwartet Stärkung des Gesundheitssystems

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erwartet durch den Zuzug Hunderttausender Migranten langfristig eine Stärkung des Gesundheitssystems. Es handele sich um "dringend benötigte, wichtige zukünftige Beitragszahler", sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. Die Menschen würden nach einigen Jahren sozialversicherungspflichtig beschäftigt sein. So könne die sonst drohende demografische Krise bei der Finanzierung des Gesundheitssystems entschärft werden. "Darüber hinaus verursachen sie wenig Kosten", fügte Lauterbach hinzu. Die meisten Flüchtlinge seien in einem gesundheitlich guten Zustand, wenn man von den Strapazen der Reise und Verletzungen absehe. "Es handelt sich um junge Menschen, die von chronischen Krankheiten verschont sind und die das Gesundheitssystem kurzfristig nicht deutlich belasten werden", betonte der SPD-Politiker.