Die parteilose Kandidatin für die Oberbürgermeisterwahl in Köln, Henriette Reker, ist bei einem Messerangriff schwer verletzt worden. Der Angriff habe sich bei einem Wahlkampftermin auf dem Wochenmarkt im Stadtteil Braunsfeld ereignet, sagte ein Sprecher der Kölner Polizei. Am Samstagmorgen sei ein Mann an einem Informationsstand der CDU mit einem Messer auf Reker und vier weitere Menschen losgegangen. Reker und ein Mitarbeiter des Wahlkampfteams seien schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr. Sie wurden in die Uniklinik Köln gebracht. Die Kriminalpolizei und eine Mordkommission ermitteln.

Laut einem Bericht des Kölner Stadtanzeigers wurde Reker in den Hals getroffen und an der Luftröhre verletzt. Der Kölner CDU-Vorsitzende Bernd Petelkau, der den Angriff am Stand der CDU mitangesehen hatte, sagte der Rheinischen Post hingegen, der Täter habe Reker in den Bauch gestochen. Nach der Attacke sei der Täter ganz ruhig stehen geblieben und habe gesagt: "Ich musste es tun. Ich schütze euch alle",sagte Petelkau. Der Täter sei offenbar deutscher Herkunft und habe sich widerstandslos festnehmen lassen.

Der verantwortliche Täter hat als Motiv nach übereinstimmenden Medienberichten die deutsche Flüchtlingspolitik genannt. Am Tatort und später im Streifenwagen auf dem Weg zur Polizeiwache habe er betont, mit der Flüchtlingspolitik von Reker und Kanzlerin Angela Merkel nicht einverstanden zu sein, berichteten mehrere Medien unter Berufung auf Polizeikreise.

Die Stadtverwaltung teilte mit, dass die Wahl zum Oberbürgermeister trotz des Angriffs auf Henriette Reker wie geplant an diesem Sonntag stattfinden wird. Eine Stadtsprecherin sagte, laut Wahlrecht könne eine Wahl nur beim Tod eines Kandidaten abgesagt werden.

Reker, derzeit Sozialdezernentin in Köln, ist eine der aussichtsreichsten Kandidaten bei der Oberbürgermeisterwahl am Sonntag. Sie gilt als einzig ernst zu nehmende Konkurrentin des SPD-Bewerbers Jochen Ott. Die parteilose Politikerin wird von Grünen, CDU und FDP unterstützt. Insgesamt treten sieben Kandidaten an.

Ott zeigte sich bestürzt. Bei Facebook schrieb er: "Ab sofort werde ich meinen Wahlkampf unterbrechen, bis ich weitere Informationen über ihren Gesundheitszustand habe". Auch der Wahlkampf der Verletzten Rekers und ihrer Helfer sei eingestellt, so ihr Mitarbeiter Frederik Schorn.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft reagierte schockiert auf das Attentat auf Henriette Reker. "Das ist ein Angriff auf uns alle", schrieb sie auf Twitter. "Hoffe und bange mit den Verletzten."

Die ursprünglich für den 13. September geplante Wahl war auf den morgigen Sonntag verschoben worden. Grund dafür waren fehlerhafte Stimmzettel, gegen die die CDU Beschwerde eingelegt hatte. Die Bezirksregierung hatte die Stimmzettel daraufhin als rechtswidrig eingestuft. Parteilose Kandidaten seien benachteiligt worden, weil bei den anderen die Parteizugehörigkeit im Druckbild stark hervorgehoben war und sie somit stärker auffielen.