Im Streit über die Flüchtlingspolitik ist Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper aus der SPD ausgetreten. Er habe am Mittwochmorgen persönlich sein Parteibuch in der Parteizentrale abgegeben, zitierte die Magdeburger Volksstimme den Politiker. Der Sprecher der SPD Sachsen-Anhalt, Martin Krems-Möbbeck, bestätigte den Parteiaustritt.

Der Kommunalpolitiker – seit 2001 im Amt – hatte sich zuletzt für eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen ausgesprochen und Äußerungen der SPD-Landesspitze zu dem Thema als realitätsfern kritisiert. Vor Journalisten bestätigte er, dass parteiinterne Meinungsverschiedenheiten über die Flüchtlingspolitik ausschlaggebend für seinen Parteiaustritt waren. Er finde seit einem Jahr für seine Auffassung kein Gehör mehr in der Partei, sagte er.

Der Magdeburger Volksstimme hatte Trümper zuvor gesagt, SPD-Landes- und Fraktionschefin Katrin Budde habe ihm am Dienstagabend gesagt, dass er mit seinen Äußerungen zur Flüchtlingspolitik sowohl der SPD als auch ihr als Spitzenkandidatin für die nächste Landtagswahl schade.

Um Schaden von der SPD abzuhalten, trete er aus, sagte Trümper der Zeitung. "Ich bin nicht bereit, mir den Mund verbieten zu lassen." Auch könne er nicht bis zur Landtagswahl im März 2016 schweigen und falsche Sachverhalte akzeptieren. Trümper hatte wiederholt darauf hingewiesen, dass Magdeburg und Sachsen-Anhalt mit der Unterbringung der Flüchtlinge überlastet seien, und Obergrenzen gefordert. Dem hatte Budde widersprochen.

Der 60-Jährige gehörte der SPD seit 1990 an, Oberbürgermeister von Magdeburg ist er seit 2001. In seiner Stadt engagiert sich Trümper seit Jahren gegen Neonazis. Dafür erhielt der Politiker auch Morddrohungen. Dennoch will er auch nach dem Parteiaustritt im Amt bleiben. Wie er die Stadt künftig regieren will, erläuterte er nicht näher. Den Eintritt in eine andere Partei schloss Trümper aus: "Ich bleibe ein sozialdemokratischer Mensch."