Bayerns Finanz- und Heimatminister Markus Söder fordert wegen der Flüchtlingssituation einen besseren Schutz der Grenzen in Europa. "Ich bin überzeugt, dass wir noch über Schutzzäune diskutieren werden in Europa", sagte der CSU-Politiker dem Focus.

Wenn die EU-Außengrenzen nicht geschützt werden könnten, müsse darüber nachgedacht, wie die Grenzen Deutschlands besser bewacht werden können. Dazu müsse man auch "grüne Grenzkontrollen" erwägen, sagte Söder in München. "Ob das am Ende Zäune, Patrouillen oder andere Formen von Grenzkontrollen sind, muss man dann sehen."

Zugleich sieht er in der Situation eine große finanzielle Belastung. "Vielleicht hätten wir die 86 Milliarden Euro für Griechenland besser in den massiven Schutz der Grenzbereiche investiert", sagte Söder. Für dieses und nächstes Jahr rechne er mit Flüchtlingskosten von weit über vier Milliarden Euro allein in Bayern. Im Grunde sei die Grenze der Belastbarkeit bereits überschritten.

"Wir sind schon mit einer Million Flüchtlinge überfordert, und es kommen täglich mehr", so Söder. "Glaubt wirklich jemand, dass weitere Millionen schulterbar wären, ohne dass dies Auswirkungen auf unser Land hätte?" Was jetzt geschehe, werde sich lange auf Deutschland auswirken. Durch die Einwanderung verändere sich die "kulturelle Statik" im Land.

Seehofer attackiert Merkel

Neue Kritik an der Flüchtlingssituation in Deutschland kam auch von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer. "Die Kanzlerin hat sich meiner Überzeugung nach für eine Vision eines anderen Deutschlands entschieden", sagte Seehofer laut Bild in einer telefonischen Besprechung. Während einer Kabinettssitzung soll er zudem davon gesprochen haben, Flüchtlinge in Bussen nach Berlin vor den Reichstag zu fahren, berichtet Spiegel Online.

Bayern ist von den hohen Flüchtlingszahlen besonders betroffen. Über Österreich reisen täglich Tausende Menschen ein. Vor diesem Hintergrund hatte Seehofer Anfang der Woche angekündigt, eventuell im Alleingang "Notmaßnahmen" ergreifen zu wollen. So könnten beispielsweise Flüchtlinge abgewiesen werden, die aus anderen EU-Staaten einreisen wollen, hieß es aus Kabinettskreisen. Zudem werde in Erwägung gezogen, Flüchtlinge einfach in andere Bundesländer weiterzuschicken.